Datenschutzerklärung



Datenschutzerklärung

Diese Datenschutzerklärung klärt Sie über die Art, den Umfang und Zweck der Verarbeitung von personenbezogenen Daten (nachfolgend kurz „Daten“) innerhalb unseres Onlineangebotes und der mit ihm verbundenen Webseiten, Funktionen und Inhalte sowie externen Onlinepräsenzen, wie z.B. unser Social Media Profile auf (nachfolgend gemeinsam bezeichnet als „Onlineangebot“). Im Hinblick auf die verwendeten Begrifflichkeiten, wie z.B. „Verarbeitung“ oder „Verantwortlicher“ verweisen wir auf die Definitionen im Art. 4 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).



Verantwortlicher

Dr. Stefan Wogawa

Mail st.wogawa@gmail.com

Tel. 0176/23790691

Arten der verarbeiteten Daten:

- Bestandsdaten (z.B., Namen, Adressen).

- Kontaktdaten (z.B., E-Mail, Telefonnummern).

- Inhaltsdaten (z.B., Texteingaben, Fotografien, Videos).

- Nutzungsdaten (z.B., besuchte Webseiten, Interesse an Inhalten, Zugriffszeiten).

- Meta-/Kommunikationsdaten (z.B., Geräte-Informationen, IP-Adressen).

Kategorien betroffener Personen

Besucher und Nutzer des Onlineangebotes (Nachfolgend bezeichnen wir die betroffenen Personen zusammenfassend auch als „Nutzer“).

Zweck der Verarbeitung

- Zurverfügungstellung des Onlineangebotes, seiner Funktionen und Inhalte.

- Beantwortung von Kontaktanfragen und Kommunikation mit Nutzern.

- Sicherheitsmaßnahmen.

- Reichweitenmessung/Marketing

Verwendete Begrifflichkeiten

„Personenbezogene Daten“ sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person (im Folgenden „betroffene Person“) beziehen; als identifizierbar wird eine natürliche Person angesehen, die direkt oder indirekt, insbesondere mittels Zuordnung zu einer Kennung wie einem Namen, zu einer Kennnummer, zu Standortdaten, zu einer Online-Kennung (z.B. Cookie) oder zu einem oder mehreren besonderen Merkmalen identifiziert werden kann, die Ausdruck der physischen, physiologischen, genetischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität dieser natürlichen Person sind.



„Verarbeitung“ ist jeder mit oder ohne Hilfe automatisierter Verfahren ausgeführte Vorgang oder jede solche Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten. Der Begriff reicht weit und umfasst praktisch jeden Umgang mit Daten.



„Pseudonymisierung“ die Verarbeitung personenbezogener Daten in einer Weise, dass die personenbezogenen Daten ohne Hinzuziehung zusätzlicher Informationen nicht mehr einer spezifischen betroffenen Person zugeordnet werden können, sofern diese zusätzlichen Informationen gesondert aufbewahrt werden und technischen und organisatorischen Maßnahmen unterliegen, die gewährleisten, dass die personenbezogenen Daten nicht einer identifizierten oder identifizierbaren natürlichen Person zugewiesen werden.



„Profiling“ jede Art der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten, die darin besteht, dass diese personenbezogenen Daten verwendet werden, um bestimmte persönliche Aspekte, die sich auf eine natürliche Person beziehen, zu bewerten, insbesondere um Aspekte bezüglich Arbeitsleistung, wirtschaftliche Lage, Gesundheit, persönliche Vorlieben, Interessen, Zuverlässigkeit, Verhalten, Aufenthaltsort oder Ortswechsel dieser natürlichen Person zu analysieren oder vorherzusagen.



Als „Verantwortlicher“ wird die natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet, bezeichnet.



„Auftragsverarbeiter“ eine natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die personenbezogene Daten im Auftrag des Verantwortlichen verarbeitet.

Maßgebliche Rechtsgrundlagen

Nach Maßgabe des Art. 13 DSGVO teilen wir Ihnen die Rechtsgrundlagen unserer Datenverarbeitungen mit. Sofern die Rechtsgrundlage in der Datenschutzerklärung nicht genannt wird, gilt Folgendes: Die Rechtsgrundlage für die Einholung von Einwilligungen ist Art. 6 Abs. 1 lit. a und Art. 7 DSGVO, die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Erfüllung unserer Leistungen und Durchführung vertraglicher Maßnahmen sowie Beantwortung von Anfragen ist Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO, die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Erfüllung unserer rechtlichen Verpflichtungen ist Art. 6 Abs. 1 lit. c DSGVO, und die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung zur Wahrung unserer berechtigten Interessen ist Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Für den Fall, dass lebenswichtige Interessen der betroffenen Person oder einer anderen natürlichen Person eine Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich machen, dient Art. 6 Abs. 1 lit. d DSGVO als Rechtsgrundlage.

Sicherheitsmaßnahmen

Wir treffen nach Maßgabe des Art. 32 DSGVO unter Berücksichtigung des Stands der Technik, der Implementierungskosten und der Art, des Umfangs, der Umstände und der Zwecke der Verarbeitung sowie der unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des Risikos für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, um ein dem Risiko angemessenes Schutzniveau zu gewährleisten.



Zu den Maßnahmen gehören insbesondere die Sicherung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten durch Kontrolle des physischen Zugangs zu den Daten, als auch des sie betreffenden Zugriffs, der Eingabe, Weitergabe, der Sicherung der Verfügbarkeit und ihrer Trennung. Des Weiteren haben wir Verfahren eingerichtet, die eine Wahrnehmung von Betroffenenrechten, Löschung von Daten und Reaktion auf Gefährdung der Daten gewährleisten. Ferner berücksichtigen wir den Schutz personenbezogener Daten bereits bei der Entwicklung, bzw. Auswahl von Hardware, Software sowie Verfahren, entsprechend dem Prinzip des Datenschutzes durch Technikgestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Art. 25 DSGVO).

Zusammenarbeit mit Auftragsverarbeitern und Dritten

Sofern wir im Rahmen unserer Verarbeitung Daten gegenüber anderen Personen und Unternehmen (Auftragsverarbeitern oder Dritten) offenbaren, sie an diese übermitteln oder ihnen sonst Zugriff auf die Daten gewähren, erfolgt dies nur auf Grundlage einer gesetzlichen Erlaubnis (z.B. wenn eine Übermittlung der Daten an Dritte, wie an Zahlungsdienstleister, gem. Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO zur Vertragserfüllung erforderlich ist), Sie eingewilligt haben, eine rechtliche Verpflichtung dies vorsieht oder auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (z.B. beim Einsatz von Beauftragten, Webhostern, etc.).



Sofern wir Dritte mit der Verarbeitung von Daten auf Grundlage eines sog. „Auftragsverarbeitungsvertrages“ beauftragen, geschieht dies auf Grundlage des Art. 28 DSGVO.

Übermittlungen in Drittländer

Sofern wir Daten in einem Drittland (d.h. außerhalb der Europäischen Union (EU) oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR)) verarbeiten oder dies im Rahmen der Inanspruchnahme von Diensten Dritter oder Offenlegung, bzw. Übermittlung von Daten an Dritte geschieht, erfolgt dies nur, wenn es zur Erfüllung unserer (vor)vertraglichen Pflichten, auf Grundlage Ihrer Einwilligung, aufgrund einer rechtlichen Verpflichtung oder auf Grundlage unserer berechtigten Interessen geschieht. Vorbehaltlich gesetzlicher oder vertraglicher Erlaubnisse, verarbeiten oder lassen wir die Daten in einem Drittland nur beim Vorliegen der besonderen Voraussetzungen der Art. 44 ff. DSGVO verarbeiten. D.h. die Verarbeitung erfolgt z.B. auf Grundlage besonderer Garantien, wie der offiziell anerkannten Feststellung eines der EU entsprechenden Datenschutzniveaus (z.B. für die USA durch das „Privacy Shield“) oder Beachtung offiziell anerkannter spezieller vertraglicher Verpflichtungen (so genannte „Standardvertragsklauseln“).

Rechte der betroffenen Personen

Sie haben das Recht, eine Bestätigung darüber zu verlangen, ob betreffende Daten verarbeitet werden und auf Auskunft über diese Daten sowie auf weitere Informationen und Kopie der Daten entsprechend Art. 15 DSGVO.



Sie haben entsprechend. Art. 16 DSGVO das Recht, die Vervollständigung der Sie betreffenden Daten oder die Berichtigung der Sie betreffenden unrichtigen Daten zu verlangen.



Sie haben nach Maßgabe des Art. 17 DSGVO das Recht zu verlangen, dass betreffende Daten unverzüglich gelöscht werden, bzw. alternativ nach Maßgabe des Art. 18 DSGVO eine Einschränkung der Verarbeitung der Daten zu verlangen.



Sie haben das Recht zu verlangen, dass die Sie betreffenden Daten, die Sie uns bereitgestellt haben nach Maßgabe des Art. 20 DSGVO zu erhalten und deren Übermittlung an andere Verantwortliche zu fordern.



Sie haben ferner gem. Art. 77 DSGVO das Recht, eine Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde einzureichen.

Widerrufsrecht

Sie haben das Recht, erteilte Einwilligungen gem. Art. 7 Abs. 3 DSGVO mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen

Widerspruchsrecht

Sie können der künftigen Verarbeitung der Sie betreffenden Daten nach Maßgabe des Art. 21 DSGVO jederzeit widersprechen. Der Widerspruch kann insbesondere gegen die Verarbeitung für Zwecke der Direktwerbung erfolgen.

Cookies und Widerspruchsrecht bei Direktwerbung

Als „Cookies“ werden kleine Dateien bezeichnet, die auf Rechnern der Nutzer gespeichert werden. Innerhalb der Cookies können unterschiedliche Angaben gespeichert werden. Ein Cookie dient primär dazu, die Angaben zu einem Nutzer (bzw. dem Gerät auf dem das Cookie gespeichert ist) während oder auch nach seinem Besuch innerhalb eines Onlineangebotes zu speichern. Als temporäre Cookies, bzw. „Session-Cookies“ oder „transiente Cookies“, werden Cookies bezeichnet, die gelöscht werden, nachdem ein Nutzer ein Onlineangebot verlässt und seinen Browser schließt. In einem solchen Cookie kann z.B. der Inhalt eines Warenkorbs in einem Onlineshop oder ein Login-Status gespeichert werden. Als „permanent“ oder „persistent“ werden Cookies bezeichnet, die auch nach dem Schließen des Browsers gespeichert bleiben. So kann z.B. der Login-Status gespeichert werden, wenn die Nutzer diese nach mehreren Tagen aufsuchen. Ebenso können in einem solchen Cookie die Interessen der Nutzer gespeichert werden, die für Reichweitenmessung oder Marketingzwecke verwendet werden. Als „Third-Party-Cookie“ werden Cookies bezeichnet, die von anderen Anbietern als dem Verantwortlichen, der das Onlineangebot betreibt, angeboten werden (andernfalls, wenn es nur dessen Cookies sind spricht man von „First-Party Cookies“).



Wir können temporäre und permanente Cookies einsetzen und klären hierüber im Rahmen unserer Datenschutzerklärung auf.



Falls die Nutzer nicht möchten, dass Cookies auf ihrem Rechner gespeichert werden, werden sie gebeten die entsprechende Option in den Systemeinstellungen ihres Browsers zu deaktivieren. Gespeicherte Cookies können in den Systemeinstellungen des Browsers gelöscht werden. Der Ausschluss von Cookies kann zu Funktionseinschränkungen dieses Onlineangebotes führen.



Ein genereller Widerspruch gegen den Einsatz der zu Zwecken des Onlinemarketing eingesetzten Cookies kann bei einer Vielzahl der Dienste, vor allem im Fall des Trackings, über die US-amerikanische Seite http://www.aboutads.info/choices/ oder die EU-Seite http://www.youronlinechoices.com/ erklärt werden. Des Weiteren kann die Speicherung von Cookies mittels deren Abschaltung in den Einstellungen des Browsers erreicht werden. Bitte beachten Sie, dass dann gegebenenfalls nicht alle Funktionen dieses Onlineangebotes genutzt werden können.

Löschung von Daten

Die von uns verarbeiteten Daten werden nach Maßgabe der Art. 17 und 18 DSGVO gelöscht oder in ihrer Verarbeitung eingeschränkt. Sofern nicht im Rahmen dieser Datenschutzerklärung ausdrücklich angegeben, werden die bei uns gespeicherten Daten gelöscht, sobald sie für ihre Zweckbestimmung nicht mehr erforderlich sind und der Löschung keine gesetzlichen Aufbewahrungspflichten entgegenstehen. Sofern die Daten nicht gelöscht werden, weil sie für andere und gesetzlich zulässige Zwecke erforderlich sind, wird deren Verarbeitung eingeschränkt. D.h. die Daten werden gesperrt und nicht für andere Zwecke verarbeitet. Das gilt z.B. für Daten, die aus handels- oder steuerrechtlichen Gründen aufbewahrt werden müssen.



Nach gesetzlichen Vorgaben in Deutschland, erfolgt die Aufbewahrung insbesondere für 10 Jahre gemäß §§ 147 Abs. 1 AO, 257 Abs. 1 Nr. 1 und 4, Abs. 4 HGB (Bücher, Aufzeichnungen, Lageberichte, Buchungsbelege, Handelsbücher, für Besteuerung relevanter Unterlagen, etc.) und 6 Jahre gemäß § 257 Abs. 1 Nr. 2 und 3, Abs. 4 HGB (Handelsbriefe).



Nach gesetzlichen Vorgaben in Österreich erfolgt die Aufbewahrung insbesondere für 7 J gemäß § 132 Abs. 1 BAO (Buchhaltungsunterlagen, Belege/Rechnungen, Konten, Belege, Geschäftspapiere, Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben, etc.), für 22 Jahre im Zusammenhang mit Grundstücken und für 10 Jahre bei Unterlagen im Zusammenhang mit elektronisch erbrachten Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehleistungen, die an Nichtunternehmer in EU-Mitgliedstaaten erbracht werden und für die der Mini-One-Stop-Shop (MOSS) in Anspruch genommen wird.

Kommentare und Beiträge

Wenn Nutzer Kommentare oder sonstige Beiträge hinterlassen, können ihre IP-Adressen auf Grundlage unserer berechtigten Interessen im Sinne des Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO für 7 Tage gespeichert werden. Das erfolgt zu unserer Sicherheit, falls jemand in Kommentaren und Beiträgen widerrechtliche Inhalte hinterlässt (Beleidigungen, verbotene politische Propaganda, etc.). In diesem Fall können wir selbst für den Kommentar oder Beitrag belangt werden und sind daher an der Identität des Verfassers interessiert.



Des Weiteren behalten wir uns vor, auf Grundlage unserer berechtigten Interessen gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO, die Angaben der Nutzer zwecks Spamerkennung zu verarbeiten.



Auf derselben Rechtsgrundlage behalten wir uns vor, im Fall von Umfragen die IP-Adressen der Nutzer für deren Dauer zu speichern und Cookis zu verwenden, um Mehrfachabstimmungen zu vermeiden.



Die im Rahmen der Kommentare und Beiträge angegebenen Daten, werden von uns bis zum Widerspruch der Nutzer dauerhaft gespeichert.

Abruf von Emojis und Smilies

Innerhalb unseres WordPress-Blogs werden grafische Emojis (bzw. Smilies), d.h. kleine grafische Dateien, die Gefühle ausdrücken, eingesetzt, die von externen Servern bezogen werden. Hierbei erheben die Anbieter der Server, die IP-Adressen der Nutzer. Dies ist notwendig, damit die Emojie-Dateien an die Browser der Nutzer übermittelt werden können. Der Emojie-Service wird von der Automattic Inc., 60 29th Street #343, San Francisco, CA 94110, USA, angeboten. Datenschutzhinweise von Automattic: https://automattic.com/privacy/. Die verwendeten Server-Domains sind s.w.org und twemoji.maxcdn.com, wobei es sich unseres Wissens nach um sog. Content-Delivery-Networks handelt, also Server, die lediglich einer schnellen und sicheren Übermittlung der Dateien dienen und die personenbezogenen Daten der Nutzer nach der Übermittlung gelöscht werden.



Die Nutzung der Emojis erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen, d.h. Interesse an einer attraktiven Gestaltung unseres Onlineangebotes gem. Art. 6 Abs. 1 lit. f. DSGVO.

Erstellt mit Datenschutz-Generator.de von RA Dr. Thomas Schwenke

Montag, August 13, 2012

Unheimlich

Der Fakt verwundert: aus der Bundestagsfraktion der Linkspartei werden sich diametral gegenüberstehende Vorstellungen über die Zukunft des berüchtigten deutschen Inlandsgeheimdienstes „Verfassungsschutz“ geäußert. Die Bandbreite der Meinungen wurde durch eine Themenseite im Neuen Deutschland vom 4./5. August deutlich. Während der Innenpolitiker Jan Korte für die Abschaffung des diskreditierten Geheimdienstes eintrat, betonte der Jurist Wolfgang Nescovic dessen Notwendigkeit und ordnete gleich an, dass es überhaupt „nur eine Schlussfolgerung“ gebe, nämlich effiziente Kontrollstrukturen. Nescovics Position ist einigermaßen unverständlich, heißt es doch im Programm der Partei DIE LINKE ganz eindeutig: „Wir wollen die Geheimdienste abschaffen.“
Anstatt diese Programmatik, der Nescovic auch als parteiloser Abgeordneter seinen Wählern gegenüber verpflichtet ist, aktiv umzusetzen, nähert sich der frühere Richter argumentativ Leuten wie CSU-Innenminister Friedrich an. „Ich will die Transparenz gegenüber dem Parlament verstärken und weitere Möglichkeiten schaffen, die Arbeit der Geheimdienste zu begleiten“, hatte der angekündigt. Friedrich will außerdem mehr Kompetenzen für die Aktenvernichter des Kölner Bundesamtes und ihre Landeskollegen wie den „kleinen Adolf“ aus Hessen. Von „größeren, schlagkräftigeren Einheiten“ der Geheimen wird phantasiert.
Nescovic vernebelt nicht nur, er relativiert mit fragwürdigen Vergleichen verantwortungslos die jahrzehntelange Skandalgeschichte des „Verfassungsschutzes“, die im Versagen angesichts der Neonazi-Terrorgruppe NSU kulminierte. Er wolle dem Geheimdienst die „die Unheimlichkeit nehmen“, hat Nescovic angekündigt. Ich gebe zu, dass mir auch seine Intentionen unheimlich sind.

Zuerst veröffentlicht in meiner Kolumne "Das Letzte" im "Linken Parlamentsreport" Nr. 16/1012 (PDF, S. 10).

Mittwoch, Juli 25, 2012

Schurkenstaat


Artikel 107 des Grundgesetzes legt fest, „dass die unterschiedliche Finanzkraft der Länder angemessen ausgeglichen wird“. Der Länderfinanzausgleich hat in seiner Zielrichtung also Verfassungsrang – das gilt es zu betonen, wenn man aktuelle Entwicklungen betrachtet. Das Volumen des seit 1950 existierenden Finanzausgleichs steigt vor allem seit 1995, als die ostdeutschen Bundesländer und Berlin integriert wurden.
Nun hat die Landesregierung von Bayern (CSU und FDP) beschlossen, gegen den Finanzausgleich Verfassungsklage einzureichen. Der Termin ist kein Zufall: 2013 wird in Bayern der Landtag gewählt, CSU-Generalsekretär Dobrindt hat bereits die Parole ausgegeben, man werde eine „Schlacht“ schlagen.
Bayern war von 1950 bis 1986 und 1992 Empfänger des Finanzausgleichs. Durch solidarische Zahlungen konnte es sich vom rückständigen Agrar- zum Industrieland entwickeln – inklusive einer Rüstungsbranche. Als die Bundesregierung 2011 Einsparungen bei Waffenprojekten ankündigte, jammerte Bayerns Wirtschaftsminister Zeil (FDP), man verliere „technologische Schlüsselkompetenzen“.
CSU und FDP sind egoistisch. Solidarität verweigert man nicht nur in Europa – Dobrindt hat gerade den Austritt Griechenlands aus der Eurozone gefordert –, sondern auch im Inland. Dass sich inzwischen CDU-Politiker aus Thüringen vor den blau-weißen Karren spannen lassen, stellt einen Bärendienst dar, den sie Ostdeutschland erweisen.
Ist der Begriff Schurkenstaat für Bayern angebracht? Nein. Schurken sind aber diejenigen CSU-Politiker, die sich als Bonzen einer Staatspartei aufführen (ebenso ihre FDP-Mitläufer) und an der grundgesetzlichen Ordnung rütteln. Zur Erinnerung: der bayerische Landtag hatte auf Empfehlung der CSU-Staatsregierung 1949 dem Grundgesetz nicht zugestimmt.

Der Text ist in meiner Kolumne "Das Letzte" im Linken Parlamentsreport Nr. 15/2012 (PDF, S. 10) erschienen.

Donnerstag, Juli 12, 2012

Der Demokratielenker


Der Bundespräsident mahnt die Kanzlerin: Joachim Gauck richtet im Interview mit dem ZDF eine Forderung an Angela Merkel. Es geht – natürlich – um den „Euro-Rettungsschirm“. Nein, Gauck fordert von Merkel keine andere, keine bessere Politik. Sie soll nur ihren Kurs besser erklären. „Sie hat nun die Verpflichtung“, so doziert Gauck, „sehr detailliert zu beschreiben, was das bedeutet, auch fiskalisch bedeutet“.
Nun dürfte es den Menschen kaum nützen, schlechte Politik besser erklärt zu bekommen. Immerhin ist schon allerhand „erklärt“ worden: das „katastrophale Scheitern des Marktradikalismus und der Deregulierungsideologie“ (Wolfgang Lieb 2009 auf den „Nachdenkseiten“) firmiert deswegen jetzt als „Schuldenkrise“. Von den Ursachen, den Mechanismen des globalen Kapitalismus, redet kaum noch jemand, im ZDF schon gar nicht. Schuld sind nun die Staaten, die „über ihre Verhältnisse leben“. Geschleift wird folgerichtig die Sozialpolitik.
Wolfgang Lieb hat seinerzeit auch auf „das Zusammenspiel von Marktradikalismus und Propaganda“ hingewiesen und einen Zusammenhang zur Ideologie der „gelenkten Demokratie“ hergestellt. Die wird hierzulande nur mit dem Russland Wladimir Putins verbunden. Vordenker ist indes der US-Journalist Walter Lippmann, der dem Westen die politische Beeinflussung der Massen empfahl.
Diese Mechanismen funktionieren. Lieb konstatiert, dass genau dadurch „die politischen Repräsentanten, die durch ihre Politik in die Krise geführt oder sie zumindest nicht abgewendet haben, eine Mehrheit erlangen können und weiter machen können wie zuvor.“ Nichts anderes hat Gauck mit seiner Botschaft an Merkel im Sinn. Auf Alternativen auch nur hinzuweisen, liegt der Agenda des selbsternannten „Demokratielehrers“ fern.

Zuerst erschienen in meiner Kolumne "Das Letzte" im "Linken Parlamentsreport" 14/2012.

Montag, Juli 02, 2012

Sturm im Wasserglas?


Muss sich die Thüringer Ministerpräsidentin und CDU-Landesvorsitzende Christine Lieberknecht jetzt Sorgen machen? Immerhin konnte ihre CDU, die bei der Landtagswahl 2009 desaströse Stimmenverluste hinnehmen musste, nur mit Hilfe der SPD weiter regieren. Nun hat sich der bisher überaus pflegeleichte Koalitionspartner auf die Hinterbeine gestellt.
Der SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Höhn griff CDU-Innenminister Jörg Geibert nach dessen Rede „Freiheitliche Demokratie muss wehrhaft sein“ im Landtag frontal an. Geibert könne für seine Ausführung von Höhn und dessen Fraktion kein Lob „und schon gar keinen Dank erwarten“, grollte der Sozialdemokrat. Durchaus richtig kritisierte Höhn „die alten Reflexe der Relativierung des Rechtsextremismus“ bei der CDU.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Metz meinte bei „Facebook“ daraufhin recht euphorisch: „Danke an Uwe Höhn für klare Worte! Das war sensationell!“ Astrid Rothe-Beinlich, Abgeordnete der Grünen, fragte durchaus berechtigt zurück: „Respekt – in der Tat! Doch was folgt daraus?“ Da mochte Metz zwar über „Gute Perspektiven für Zusammenarbeit“ flachsen. Die stehen indes nicht bevor.
Das weiß auch Lieberknecht. Sie rief zum Krisengespräch, um „Irritationen“ auszuräumen, und die SPD kam. An der Innenpolitik scheitert diese Koalition nicht. Die Auflösung des Thüringer Inlandsgeheimdienstes „Landesamt für Verfassungsschutz“ und den Aufbau eines Zentrums für Demokratie, von der Linksfraktion beantragt, hatte die SPD-Fraktion bereits einen Tag vorher strikt abgelehnt und nicht einmal der Beratung im zuständigen Fachausschuss – eigentlich parlamentarische Normalität – zugestimmt.

Dienstag, Juni 19, 2012

Dubioser Geselle

Mit einem äußerst dubiosen Gesellen, "Paranoia-Pierre" Deason von der so genannten "neuen linken" aus Weimar, befasst sich mein aktueller Kommentar im Linken Parlamentsreport (PDF).

http://bit.ly/Kx5e0G

Mittwoch, Mai 30, 2012

Entmachtung des Parlaments?


Die Bundesregierung stellt offenbar den Parlamentsvorbehalt bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr zur Disposition, das deutsche Parlamentsbeteiligungsgesetz scheint Schwarz-Gelb zu weit zu gehen. Die SPD ist – wie üblich – zur Kollaboration bereit: deren Vorsitzender Gabriel fordert, dass künftig nicht mehr der Bundestag über Auslandseinsätze der Bundeswehr entscheiden soll, sondern das Europäische Parlament.

Mein Kommentar im Linken Parlamentsreport (PDF).

Dienstag, Mai 22, 2012

Zukunft der Arbeit

Seit 2004 habe ich in Thüringen etliche Veranstaltungen mit dem in den USA lebenden Philosophen Frithjof Bergmann organisiert – die erste am 24.11.2004 während der Fraktionssitzung der damaligen PDS-Landtagsfraktion, am Abend noch eine an der FH Erfurt. Seit 2005 konnte ich mehrere Interviews mit ihm führen. Für eine Publikation habe ich mir kürzlich die teils umfangreichen Gespräche erneut vorgenommen.
Das Hauptthema von Bergmann ist seit mehr als 30 Jahren die Zukunft der Arbeit. Er möchte die Menschen von einer entfremdeten Lohnarbeit emanzipieren hin zu einer Arbeit, „die human und intelligent und sinnlich und fröhlich ist im Unterschied zu der (...), unter der wir leiden“ (Februar 2008). Seine „Neue Arbeit“, Anfang der 1980er Jahre erprobt im legendären Projekt in der US-Automobilstadt Flint, besagt (verkürzt dargestellt): viel stärker auf Selbstverwirklichung (und – mittels Hightech – auf Selbstversorgung) zu setzen als auf Konsum. Gerade für Arbeitslose regt er die Schaffung von Zentren für Neue Arbeit an.
Die Fragen sind aktueller denn je. Die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone wird einer Prognose der EU-Kommission nach auf Rekordwerte ansteigen. Bereits jetzt ist der höchste Wert erreicht, seit die EU auf 27 Staaten erweitert wurde. Die Arbeitslosigkeit werde durch eine globale Krise weiter steigen, hatte Bergmann schon im Juni 2005 prognostiziert: „Was wir jetzt sehen, ist nur eine der ersten Windböen eines Orkans.“ Den „Wirtschaftswachstumswahnsinn“ lehnt er ab, ebenso allerdings bedingungslose Grundeinkommen.
Seine Erfahrungen aus globalen Aktivitäten: abseits der Alten Welt sind die Menschen viel aufgeschlossener. Schlimmer: Akzeptanz des Alten und Widerstand gegen Neues sind in Deutschland größer als anderswo.

Donnerstag, Mai 10, 2012

Neuerscheinung

Der Beitrag von Salve TV zum neu erschienenen Buch "Made in Thüringen? Nazi-Morde und Verfassungschutz-Skandal" (VSA Verlag Hamburg).

Mittwoch, Mai 09, 2012

Unappetitlich

In meiner Kolumne "Das Letzte" habe ich mich diesmal mit einem unappetitlichen Thema beschäftigt, der so genannten Bild-"Zeitung".

http://bit.ly/IIxwPu

Freitag, März 23, 2012

Linke und Internet

Rezension des Buches „It’s the Internet, stupid! Die Linken und die „Schienennetze“ des 21. Jahrhunderts“, enthält u.a. meinen Beitrag „Cyberwar – die dunkle Seite des Internets“ (und "Auf dem Weg ins Web 2.0", gemeinsam mit Paul Wellsow).

http://tinyurl.com/7dl2qgl

Wirtschaft und NSDAP

Nachtrag: „Großwirtschaft und NSDAP gegen die Demokratie von Weimar“, meine Rezension zu Kurt Gossweilers Buch „Kapital, Reichswehr und NSDAP. Die Frühgeschichte - 1919 bis 1924“ (PapyRossa Verlag Köln 2011)

http://tinyurl.com/7t274rx

Mittwoch, Februar 22, 2012

Gauck grotesk gestrig

Angela Merkel rief – und ein Hauch von 1914 wehte durchs Land. Damals hatte Kaiser Wilhelm II. betont: „Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche“. Das schloss die Sozialdemokratie ein, im kommenden Krieg brauchte man die Arbeiter als Kanonenfutter. Die Reichstagsparteien nahmen Haltung an, die SPD trat stramm ins Glied und stimmte – von wenigen Aufrechten abgesehen – den Kriegskrediten zu. Wilhelms „Burgfrieden“ führte in die Katastrophe, man ging, wie der Kaiser in seiner Rede angekündigt hatte, „durch Not und Tod“.
Alle Bundestagsparteien mochte Angela Merkel diesmal nicht vorladen. Die Linkspartei blieb außen vor, was sich als Glücksfall erweist. Sie kann selbstbewusst sagen, an der Inthronisierung eines Joachim Gauck nicht beteiligt gewesen zu sein. Schuld an dem Elend tragen andere.
Denn nun wird es ernst mit dem „Kandidaten der Herzen“, auch wenn Merkel sich zierte. Doch daran erinnert sich bald niemand mehr. Ein Sigmar Gabriel aber dürfte, wenn der Rausch, Merkel geärgert zu haben, verflogen ist, merken, dass Gauck ihn und seine Partei letztlich verachtet.
Es lässt auch aufhorchen, dass von Gauck stets als vom „ehemaligen Bürgerrechtler“ gesprochen wird. Die wiederkehrende Phrase ist nicht der Denkfaulheit der Journalisten geschuldet, der künftige Ersatzmonarch des durch die Krise beunruhigten Bürgertums ist tatsächlich vor allem „ehemalig“. Ein Ende der deutschen Kriegseinsätze, Zügelung der Finanzzocker, eine solidarische Gesellschaft – bei Gauck alles Fehlanzeige. Der Kandidat spaltet, ist grotesk gestrig und bei vielen kommt der Kater bestimmt.
Man dürfe nicht erwarten, er sei ein Supermann und fehlerloser Mensch, hat Gauck in einer ersten Stellungnahme geäußert. Das muss ihm schwergefallen sein.

Sonntag, Januar 15, 2012

Wulff, Bild, Gauck

Mein erster Kommentar 2012 ist vor allem der Frage gewidmet, wer entbehrlicher ist: ein moralisch anrüchiger Bundespräsident Wulff oder die Bild-"Zeitung", Zierde der deutschen Medienlandschaft.

http://tinyurl.com/6r336f8

Freitag, Dezember 02, 2011

Elser

"Verdiente Würdigung" - meine Rezension eines lesenswerten Buches über den "Hitler-Attentäter" Georg Elser im Linken Parlamentsreport (PDF, S. 10).

http://tinyurl.com/cspclom
http://www.blogger.com/img/blank.gif

Freitag, November 11, 2011

Mahlen Mühlen langsam?

Neben Politik gab es von mir am vergangenen Wochenende auch Besinnliches zur regionalen Technikgeschichte: ein Text zur Wassermühle in Maua, veröffentlicht bei "Thüringen universal".

http://tinyurl.com/bmtas4o

Donnerstag, Oktober 13, 2011

Buchbesprechung

"Wenn von Amts wegen Geschichte geschrieben werden muss" - meine Besprechung des Buches "Das MfS-Lexikon" (Berlin 2011) im Linken Parlamentsreport (PDF, S. 10).

http://tinyurl.com/6f5my6g

Dienstag, September 13, 2011

Schändliches Ansinnen der NPD

Am 15. September 2011, dem 76. Jahrestag der Verabschiedung der berüchtigten "Nürnberger Gesetze", wollen die Neonazis der NPD in Erfurt vor dem Gebäude des Landtags aufmarschieren - dort hatte von 1940-45 auch die Gestapo ihren Sitz. Mein Artikel, der ua. die Verstrickungen von Erfurter Gestapo-Leuten in den Holocaust thematisiert, bei ThüringenLinks.

http://tinyurl.com/6ycgu46

Donnerstag, September 08, 2011

Artikel auch bei DToday

Mein Artikel "Ein Mann sieht rot" zur Thüringer Allgemeinen", ihrem Chefredakteur Paul-Josef Raue und den Angriffen auf Bodo Ramelow findet sich inzwischen auch im großen Internetportal "Deutschland Today"

http://tinyurl.com/3l77aqy

Montag, September 05, 2011

Medienmacht

In einem denkwürdigen Missbrauch von Medienmacht hat die "Thüringer Allgemeine" (TA) am 2. September den Linkspolitiker Bodo Ramelow attackiert. Bei "ThüringenLinks" gehe ich den Hintergründen nach - den inhaltlichen wie den personellen. Ein Fazit: TA-Chefredakteur Paul-Josef Raue, ein wildgewordener Lokaljournalist, sieht bei Ramelow rot. Die Angelegenheit ist inzwischen ein Fall für den Presserat.
Wie schreibt Johannes von Müller: "Der Mächtigste soll sich am wenigsten erlauben." Für Raue wohl ein Rat aus einem anderen Universum.

http://tinyurl.com/42jz53w

Mittwoch, August 24, 2011

Medienbrei

Beim Internetportal "ThüringenLinks" gibt es seit heute die neue Rubrik "Thüringer Medienbrei". Ich habe den ersten Beitrag beigesteuert: es geht u.a. um die Bild-"Zeitung", einen lesenschwachen Redakteur der Thüringer Allgemeinen (TA) sowie einen ominösen "Abwehr"-Mann und seinen Leserbrief in eben jener TA.
http://tinyurl.com/3qlq43g

Montag, August 01, 2011

Hardcore

Schaut man sich den propagandistischen Hardcore aus Hans-Dieter Schütts sozialistischer „Sturm und Drang“-Zeit bei der "Jungen Welt" an, mag man ja verstehen, dass ihm das heute peinlich ist und er sich davon emanzipieren möchte. Aber muss das so aufdringlich geschehen, dass die Leserinnen und Leser des Neuen Deutschlands, von denen die wenigsten Chefredakteure irgendeines „Organs“ waren, dabei in permanente Geiselhaft genommen werden? Und hat sich Schütt, der heute mit dem Eifer des Konvertiten um sich drischt, eigentlich gewandelt oder nur gewendet?

Dienstag, Juli 19, 2011

Freitag, Juni 24, 2011

Blickfang



Landhaus Gutheil-Schoder (1913) in Masserberg. Architekt Thilo Schoder war ein Schüler von Heny van der Velde. Das Haus gehörte seiner Schwester, einer Sängerin. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz

Montag, April 18, 2011

Gute Freunde

In der aktuellen Affäre um die Beschaffung von Polizeifahrzeugen in Thüringen spielt auch ein großer, regional tätiger Autohändler eine Rolle, der die Fahrzeuge der Marke Opel lieferte. Der Versuch, die Vorgänge im Landtag parlamentarisch aufzuklären, gestaltete sich bisher als quälender Prozess, behindert durch Hinauszögern, Ausflüchte und Desinformation. Bemerkenswert an der Angelegenheit ist, dass auch solche CDU-Landtagsabgeordneten bei diesem Thema mitstimmen, bei denen sich auf eine gewisse Nähe zu eben jener großen Autohausgruppe schließen lässt.

Mein Artikel bei thueringenlinks.de

http://tinyurl.com/6zru8xr

Mittwoch, April 06, 2011

Volles Programm



Patrick Kurth während des Weiberfaschings in Erfurt. Wahrscheinlich trug er beim Besuch in Nordkorea ähnliche Kleidung.

Die FDP befindet sich im freien Fall: wirkungsmächtiger als der angekündigte Rückzug von Guido Westerwelle vom Vorsitz der je nach Sichtweise quietsch- oder giftgelben Spaßpartei erscheint ein anderer Fakt. Nein, gemeint ist nicht der Versuch einiger liberaler Wendehälse, sich flugs an die Spitze der Antiatombewegung zu stellen (möglicherweise fordern erste FDPler bald auch Mindestlohn und „Hartz IV muss weg!“). Patrick Kurth, der FDP-Bundestagsabgeordnete und „Generalsekretär“ der Thüringer Landesdependenz der selbst ernannten Partei der Besserverdienenden, besucht Nordkorea – jawohl, die Koreanische Demokratische Volksrepublik (Kommunisten!) – gemeinsam mit Claudia Roth, der Vorsitzenden der Grünen (was an sich schon Strafe ist). Auch wenn die Politiker nur eine Delegation des Deutschen Fußballbundes (DFB) begleitet haben, stand einiges auf dem Programm: ein koreanischer Vize-Außenminister, „Brücken für eine kulturelle Zusammenarbeit“ wollte Frau Roth bauen und vielleicht konnte Patrick Kurth mit kommunistischen Funktionären plaudern – so von Generalsekretär zu Generalsekretär.
Die deutsche Delegation war 48 Stunden im Land. Der DFB-Chef Theo Zwanziger unterzeichnete am Ende ein Partnerschaftsabkommen mit dem nordkoreanischen Fußballverband, Kurth wohl trotz der derzeitigen inhaltlichen Neuausrichtung der FDP (noch) kein solches mit der Partei der Arbeit Koreas. Nach Medienberichten soll Kurth auch darauf verzichtet haben, das Mausoleum des langjährigen Partei- und Staatschefs Kim Il-sung zu besuchen. Verständlich: Mausoleen flössen FDP-Politikern derzeit nun einmal Angst ein. Sicher zu Recht; sie wissen ja nicht, wer gemeinsam mit dem in Bälde verflossenen Westerwelle ins politische Endlager verfrachtet wird.

Foto: Wogawa

Mittwoch, März 23, 2011

Strafe genug



"Black Hasi", neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt?
(Abbildung ähnlich)


Angela Merkel, die Bundesvorsitzende der CDU, ist bescheiden geworden. Den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schätzt die Bundeskanzlerin als „großen Erfolg“ für ihre CDU ein. Die hat zwar gute zehn Prozent gegenüber 2006 verloren – anscheinend befürchtete Merkel aber größere Verluste. Inwieweit dabei die ungewöhnliche Idee eine Rolle gespielt hat, den eher drögen CDU-Spitzenkandidaten Reiner Haseloff im Wahlkampf als „Black Hasi“ zu bewerben, werden jetzt Wahlforscher und Psychologen herausfinden können. Einschränkend gilt festzuhalten: Haseloffs Nickname prangte zu Werbezwecken nicht auf Utensilien der Sado-Maso-Szene, sondern auf Kaffeepäckchen der Marke „Mona“.
Vergleicht man die Resultate des aktuellen Urnengangs mit den Ergebnissen der Thüringer Landtagswahl von 2009, zieht ein Deja-vue herauf. Eine CDU mit sinkender Akzeptanz beim Wähler und eine SPD im „Eiertanz“ (so kommentiert die Frankfurter Rundschau). Denn: in Sachsen-Anhalt trat die SPD im Wahlkampf für ein Vergabegesetz ein, für faire Löhne und für längeres gemeinsames Lernen. Ebenso die Linke. Doch SPD-Chef Sigmar Gabriel dekretiert, es spreche viel für eine Fortführung der Koalition mit der CDU. Und vor Ort taktiert ein Jens Bullerjahn so abgeschmackt wie weiland Christoph Matschie. Letzteren nimmt man in Thüringen inzwischen kaum noch wahr, obwohl er als SPD-Landeschef und Vize-Ministerpräsident amtiert. Doch Matschie ist politischer Leichtmatrose geblieben. Zwischen den Schwergewichten der Koalition, der landesmütterlichen CDU-Ministerpräsidentin und dem agilen SPD-Wirtschaftsminister, wird er pulverisiert. Und in Sachsen-Anhalt? Dort tritt wahrscheinlich „Black Hasi“ als neuer Ministerpräsident an. Das ist doch eigentlich Strafe genug?

Mittwoch, März 16, 2011

Unsinn

Nicht nur, dass man inzwischen auch im Neuen Deutschland die Stilblüte der "ehemaligen DDR" zugemutet bekommt. In der linken Tageszeitung wird aus einer dpa-Meldung sogar noch abgeschrieben, in jener DDR seien "zwischen 1945 und 1989" Bücher erschienen. Das ist peinlich. Rangieren heute die Meldungen der Nachrichtenagentur auf einem ähnlichen Heiligkeitsniveau wie früher Anweisungen des Politbüros, dass solcher Unsinn ungeprüft und unkorrigiert übernommen wird? Interessant wäre es, zu erfahren, wer bei dpa den Text geliefert hat. Vielleicht ein bayrischer Schülerpraktikant?

Dienstag, März 08, 2011

Provinzposse


Das ist leider nicht der Apoldaer Faschingsumzug.

In Apolda geriet der diesjährige Faschingsumzug schon im Vorfeld zur peinlichen Provinzposse. Von ein paar Spießbürgern wurde in vorauseilendem Gehorsam der besonders tiefe Hofknicks organisiert.

http://tinyurl.com/6zru8xr

Mittwoch, Februar 23, 2011

"Adel im Untergang*" (*Ludwig Renn)

Mit Karl-Theodor Guttenberg (alias Googleberg, Baron Münchhausen usw.) befasst sich mein aktueller Kommentar im "Linken Parlamentsreport". Zugegeben nicht mehr ganz up to date - geschrieben nämlich wenige Stunden vor dem noblen "Verzicht" des Delinquenten auf den ihm nun lästig gewordenen Doktortitel.

http://tinyurl.com/67lh656

Dienstag, Februar 15, 2011

Was kostet die Demokratie?



Bild: Geschäftsordnungsdebatte im Bundestag?

Noch einmal Parlamentarismus. Wenn es nach dem Geschäftsordnungsausschuss des Deutschen Bundestages geht, dann werden bestimmte Abgeordnete künftig zur Kasse gebeten. Und zwar diejenigen, die sich im Bundestag richtig daneben benehmen. Nach Medienberichten geht es um Geldbußen von 500 oder 1.000 Euro, die von denjenigen Parlamentariern verlangt werden können, die sich eine „gröbliche Verletzung der Ordnung“ geleistet haben. Gemeint sind Linke, die mit Transparenten oder T-Shirts protestieren. Den Scharfmacher spielt wieder einmal die SPD.

Weiter auf ThüringenLinks:
http://tinyurl.com/658xqrg

Donnerstag, Februar 10, 2011

Nur Parlamentarismus light?

Der Thüringer Verfassungsgerichtshof hat am 2. Februar eine Klage der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag behandelt. In einem so genannten Organstreitverfahren hatte die Fraktion die Sicht vertreten, dass der Landtagsbeschluss „Versalzung der Werra nachhaltig verringern“ zur Umweltbelastung durch den Kalibergbau vom 11. Oktober 2007 von der Landesregierung beim Abschluss einer Vereinbarung mit dem Land Hessen und der K+S KALI GmbH hätte berücksichtigt werden müssen. Die Linksfraktion beantragte deshalb die gerichtliche Feststellung, die Landesregierung habe durch die Unterlassung der Berücksichtigung die Rechte des Landtags verletzt. Dem folgte das Verfassungsgericht allerdings nicht, es verwarf den Antrag einstimmig als unzulässig (traf also gar nicht erst eine Sachentscheidung). Die Begründung des Gerichts hat über den konkreten Fall hinaus große Bedeutung.

Mein Kommmentar bei ThüringenLinks:

http://tinyurl.com/4tjllax

Samstag, Januar 29, 2011

Gewalttätig und propagandistisch


Bild: Der Film "Tal der Wölfe - Palästina" (Abbildung ähnlich) - fürsorgliche FSK verhindert zum Glück, dass Menschen unter 18 durch den zu gewalttätigen und zu propagandistischen Streifen gefährdet werden

Der bereits vor seiner Aufführung höchst umstrittene türkische Film "Tal der Wölfe - Palästina" ist von der für ihre stets ebenso gerechten wie transparenten Entscheidungen bekannten "Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (FSK) mit der Alterfreigabe "18" versehen worden und darf damit nur Erwachsenen gezeigt werden. Bei der FSK hieß es zur Begründung, der Streifen enthalte zu viele Gewaltszenen, um ihn Jugendlichen zeigen zu können. Zudem wurden "propagandistische Tendenzen" bemängelt. Alles völlig zu Recht, wie ich finde.

http://tinyurl.com/4ou33pn

Mittwoch, Januar 26, 2011

Unwissenschaftlicher Mummenschanz

Das Faible für unwissenschaftlichen Mummenschanz scheint sich in der Thüringer CDU-Landtagsfraktion fortgepflanzt zu haben. Dieter Althaus wollte einst als Fraktionsvorsitzender und dann als Ministerpräsident allen Ernstes dem Kreationismus, dem Glauben also, der Schöpfungsmythos der Bibel sei in wortwörtlicher Interpretation als naturwissenschaftliche Quelle zu verstehen, zu unverdientem Ansehen verhelfen – und ganz Deutschland lachte über Thüringen. Heute gehört zum Beirat eines „Committee for a Constructive Tomorrow“ (CFACT Europe) in Jena, das heftig gegen die Erkenntnis polemisiert, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist und dessen Mutterorganisation in den USA üppige Spenden vom Ölmulti ExxonMobil erhielt, ein Dr. Mario Voigt. Der ist Generalsekretär der CDU Thüringen und Landtagsabgeordneter. Im üblichen CDU-Schwulstschwätz hat er Thüringen schon zum „Musterland der erneuerbaren Energie” erklärt.

http://tinyurl.com/6y5s9cj

Dienstag, Januar 25, 2011

Neues Internetportal

Beiträge von mir sind jetzt auch im neuen Internetportal "linkesthueringen.de" zu lesen, aktuell: "Uranmunition international ächten!".
http://www.linkesthueringen.de/

Mittwoch, Januar 19, 2011

Dieter hat (noch) ein Auto



Zunächst eine Klarstellung: diese Überschrift stand natürlich NICHT über dem Artikel in der gestrigen "Thüringischen Landeszeitung", Althaus war demokratisch gewählter Ministerpräsident von Thüringen (also Vorsicht: SATIRE!).

"Schau dir den Dieter an, der hat sogar ein Auto", heißt es in einem Song der Ärzte. Auch Dieter Althaus hat ein Auto, einen Dienstwagen (noch). Und er hat sich zurückgemeldet. Nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident von Thüringen war er weitgehend in der Versenkung verschwunden, gestern referierte er in Weimar vor irgendwelchen Industriebossen über irgendetwas. Geschenkt. Wichtiger sind die Hinweise über einen Aufgabenwechsel. Althaus ist beim österreichischen Autokonzern Magna nämlich nicht mehr verantwortlich für die Kontakte zum bedeutenden Kunden Volkswagen. Er ist jetzt "Vice President Governmental Affairs". Und wer wollte ernsthaft behaupten, dass Althaus sich damit nicht auskennt...

http://www.althaus-das-buch.de/

Dienstag, Januar 18, 2011

Konservatismus in den Farben der CDU


Der Spiegel-Journalist Jan Fleischhauer hat 2009 ein Buch mit dem Titel „Unter Linken. Von einem der aus Versehen konservativ wurde“ verfasst, eine Art Selbstgespräch über zähe 351 Seiten. Das Ganze entpuppte sich schnell als postpubertäre Rebellion des 1962 geborenen Mannes gegen seine offenbar dominante SPD-Mutter. Wegen des intellektuell eher schwachbrüstigen Opus zweifelte Thomas Blum im Freitag gar „an der Zurechnungsfähigkeit des Autors“ (also Fleischhauers), in der FAZ bescheinigte ihm Julia Encke immerhin „Lebenslangweiligkeiten“.

Eine stimmige Erklärung, was er mit „links“ überhaupt meinte, blieb Fleischhauer ebenso schuldig wie die für „konservativ“. Doch nicht deshalb fragen eine Reihe von Autorinnen und Autoren „Was heißt heute konservativ?“ im gleichnamigen Buch, 2010 herausgegeben von Mike Mohring, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag. Eine Reise durch den Konservatismus in den Farben der CDU - einschließlich des launigen Hinweises des italienischen Hardliners Rocco Buttiglione, Nicht-Christen seien gar keine richtigen Europäer... Meine Rezension:
http://tinyurl.com/4mb5mdj

Foto: Wogawa

Dienstag, Januar 11, 2011

SPD: viel zu bescheiden

Sigmar Gabriel, einst Popmusikbeauftragter der SPD und jetzt ihr Bundesvorsitzender, hat wieder einmal die Backen aufgeblasen. Das kann ein durchschnittlicher Breitmaulfrosch auch – zudem hat Gabriel aktuell nur Dürftiges zu sagen. Er redet mit Blick auf die Linke etwa vom „Pragmatismus“ in der Politik – da denke ich zuerst an Gerhard Schröder und die Segnungen, die seine pragmatische Regierung den Menschen gebracht hat.

Dabei geht es Gabriel nach eigenem Bekunden freilich „um grundsätzliche Fragen“. Die SPD will sich nämlich als „Partei des Fortschritts“ profilieren, heißt es. Dazu diskutierte der Vorstand mit Intellektuellen. Der österreichische Publizist Robert Misik schlug der SPD nun vor, mit folgender Aussage für sich zu werben: „Wählt’s uns, denn mit uns wird's langsamer schlechter als mit den anderen.“
Bitte nicht so bescheiden – das wäre doch eine erhebliche Untertreibung. In der Vergangenheit war es doch ganz anders: die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, erhebliche Rentenkürzungen durch ein späteres Eintrittsalter, die radikale Ausweitung des Niedriglohnsektors, Steuergeschenke an die Reichen und ähnlich fortschrittliche Dinge hätte sich eine bürgerliche Regierung wahrscheinlich nicht so schnell gewagt.

http://tinyurl.com/4cb6zfu

Samstag, Januar 08, 2011

Neue Eseleien der hessischen CDU

Der als brutalstmöglich rechtskonservativ-groschlächtig geltende hessische Landesverband der CDU ("Stahlhelm-Fraktion") hat wieder einmal in bester Spitzel-Manier "Erkenntnisse" in Form von Dossiers über Politiker der Linken veröffentlicht.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/188086.jedes-jahr-ein-paar-rote-socken.html

Ich habe mich schon 2008 mit einem Vorgängerpapier der hessischen CDU befasst, Titel meines Textes: "Das wahre Gesicht der CDU: Mit demagogischer Stimmungsmache, Manipulation und Fälschung feiert der Kalte Krieg fröhliche Urständ’". Meinen dort getroffenen Feststellungen über die Eseleien einer sich christlich nennenden Partei ist nichts hinzuzufügen.

http://tinyurl.com/32ph736

Montag, Januar 03, 2011

Umstritten

Die Institution der „Stasi-Beauftragten“ ist umstritten, inhaltlich wie personell. Die Postenvergabe in den Bundesländern gerät gelegentlich in den Ruch der Versorgung von verdienten Parteifreunden. Lukrativ scheinen solche Ämter allemal zu sein. In Sachsen-Anhalt, regiert von einer CDU/SPD-Koalition, soll ein früherer SPD-Europa-Abgeordneter berufen werden. Jetzt müssen Gerichte entscheiden.

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/8053759.html

Donnerstag, Dezember 30, 2010

Imperien unter sich


Der SF-Film "Das Imperium schlägt zurück" von 1980 ist jetzt als "schützenswert" in die Bibliothek des US-Kongresses aufgenommen worden. Kein Wunder (höchstens der späte Zeitpunkt), handelt es sich bei dem Filmtitel doch seit Jahrzehnten um das Motto der Politik der USA, ja um deren Staatsdoktrin.

Nicht bemerkt haben die Verantwortlichen indes, dass dem Film (ursprünglich Teil 2 der Star Wars-Saga) eine weitere Fortsetzung folgte: die Jedi-Ritter, im Bündniss mit den Rebellen, mischten das Reich des sinistren Imperators und seines Schwarzen Lords Darth Vader anschließend ordentlich auf...

http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,528654

Foto: Wogawa

Mittwoch, Dezember 29, 2010

Irrungen und Wirrungen



Unter dem Titel "Irrungen und Wirrungen" ist mein Jahresrückblick auf das politische Thüringen in der UNZ (Erfurt) erschienen. Das ganze (natürlich) satirisch und personalisiert: Von A wie Aretz (früherer CDU-Staatssekretär) bis Z wie Zeh (Ex-CDU-Minister und Althaus-Vertrauter). Auch H wie Hartung (Wendehals), K wie Kurth (FDP-Bonze) und M wie Matschie (SPD-Leichtmatrose) - sowie andere, die es verdient habe -, bekommen ihr Fett weg...

China ärgert den "Weltpolizisten" USA

Eine chinesische Anti-Schiff-Rakete scheint für Aufregung in den USA zu sorgen – und ist hierzulande Objekt einer Reihe aufgeregter bis hysterischer Medienberichte. Besonders gut recherchiert wurde nicht…

Auslöser der Berichte ist eine Aussage des US-Admirals Robert Willard, Oberkommandeur der US-Streitkräfte im Pazifik, gegenüber der Financial Times. Die chinesische Waffe soll demnach speziell zur Bekämpfung von Flugzeugträgern geeignet sein. So neu sind Informationen über die Rakete Dongfeng 21 D freilich nicht.

Im Februar hatte Spiegel-Online berichtet, die chinesische Interkontinentalrakete des Typs DF-21 sei erfolgreich in eine Waffe gegen Flugzeugträger verwandelt worden. Dazu habe man sie mit einem konventionellen Sprengkopf bestückt. Nun handelt es sich bei der Dongfeng 21 aber eben nicht um eine Interkontinentalrakete, sondern um eine Mittelstreckenrakete mit viel geringerer Reichweite. Sie wurde bereits Mitte der 1980er Jahre in Dienst gestellt und kann Nuklearsprengköpfe bis zu 2.150 Kilometer transportieren, eine modernisierte Version von 1996 bis 2.500 Kilometer. Bereits diese Rakete war auch für den Einsatz konventioneller Splittersprengköpfe ausgelegt.

Inzwischen hat China die ursprünglich zum Einsatz gegen Landziele vorgesehene Waffe anscheinend erneut modernisiert. Von einer Bedrohung des US-Territoriums kann aufgrund der Reichweite keine Rede sein. Doch für US-Flugzeugträger, die in der Region wie selbstverständlich als schwimmende Colts des „Weltpolizisten“ kreuzen, stellen sie anscheinend schon eine Gefahr dar. So hat US-Verteidigungsminister Robert Gates im September geäußert, die Entwicklung einer solchen Rakete würde das Pentagon zwingen, die Art und Weise zu überdenken, wie Flugzeugträger eingesetzt werden. Damit dürfte China ein wichtiges Ziel erreicht haben.

http://www.ftd.de/politik/international/:waffe-gegen-flugzeugtraeger-pekings-neue-rakete-veraendert-machtbalance-im-pazifik/50209677.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,676549,00.html
http://www.missilethreat.com/missilesoftheworld/id.25/missile_detail.asp

Donnerstag, Dezember 23, 2010

Erholsame Feiertage


"Was nützen die besten Worte,
wenn sie über die Wirklichkeit hinwegtäuschen?"
(Kurt Tucholsky)

Im Zeitalter der Krisen und "Sparpakete" ist es leider nahezu Konsens der veröffentlichten Meinung, dass das berühmt-berüchtigte "Gürtel enger schnallen" sich zu einem echten Volkssport zu entwickeln habe - also wie üblich vor allem denen abzuverlangen sei, die ohnehin nicht viel haben. Es ist deshalb mehr denn je vornehme Pflicht derjenigen, denen das Gemeinwohl etwas gilt - ob aus religiösen, philosophischen oder humanistischen Motiven -, diesem Zeitgeist zu widerstehen.

Erholsame Feiertage im Kreise von Familie und Freunden und ein im oben beschriebenen Sinne erfolgreiches Jahr 2011!


Foto: Wogawa

Mittwoch, Dezember 22, 2010

Lin Chung rules

Vor fast genau 30 Jahren, am 21.12.1980, strahlte der NDR Teil 1 der japanischen Abenteuerserie "Die Rebellen vom Liang Shan Po" aus. Sofort waren der Rebellenanführer Lin Chung - eine Art asiatischer Robin Hood - und seine Mannen Hauptgespräch auf Schulhöfen, auch in der DDR (jedenfalls in den Gegenden, in denen der NDR zu empfangen war - unser Ort hatte zum Glück eine offiziell genehmigte Gemeinschaftsantenne, die den Empfang westdeutscher dritter Programme ermöglichte). Die im China des 12. Jahrhunderts spielenden Filme sozialisierten sozusagen eine ganze Generation kampfsportbegeisterter Kinder und Jugendlicher - und lösten im Westen eine im Rückblick kaum verständliche Debatte um Gewalt im Fernsehen aus (die einzelnen Folgen wurden Sonntags ab 17.00 Uhr gesendet, heute ist freilich jede durchschnittliche Trickserie der Kinderkanäle brutaler).
Ich erinnere mich, im Frühjahr 1981 mit einer Herde von Freunden auf nahe gelegene Hügel und an Waldränder gezogen zu sein, um Szenen der Serie nachzuspielen (das war, nebenbei gemerkt, nicht nur weit in der Prä-NintendoDS-Zeit, sondern sozusagen in der Computerspiel-Urzeit, im Osten sowieso). Sehr begehrt bei uns waren in jenen Tagen Besenstiele, die als Waffen zum Einsatz kamen (wahrscheinlich waren die Warnungen vor unkalkulierbaren Auswirkungen der filmischen Kampfszenen auf Kinder also doch berechtigt)...

http://www.liang-shan-po.de/presse/p_u_b_04.htm

Verdammt lang her...

Auch in kommunalen Gremien geht es häufig genug turbulent zu. Ähnlich muss es am 20.12. beim Arnstädter Wasser- und Abwasserzweckverband gewesen sein. Die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden agierten dort wieder selbstherrlich, meinte Frank Kuschel, Kommunal- und Landtagsabgeordneter und Mitglied im Verbraucherbeirat des Zweckverbandes. Der Verband gehöre doch wohl noch den Bürgern und nicht Bürgermeistern, fragte er polemisch. Die Antwort fiel offenbar unbefriedigend aus...
Kuschel ärgerte das. Und da am gleichen Tag einige tatsächliche und Legionen selbsternannter Weißrussland-Experten ihre Ansichten über die dortigen Präsidentenwahlen und den Langzeitamtsinhaber Lukaschenko den Menschen aufs Auge drückten, entschied er sich für die brutalsatirische Methode. Beim Kurznachrichtendienst Twitter gab Kuschel ein: „Nicht mit Finger nach Weißrussland zeigen, um Diktator zu definieren. Da reicht ein Blick in die BGMEISTERunde des Arnstädter Wasserzweckverbandes“. Natürlich war das zugespitzt – sicher nicht nur wegen der Twitterbeschränkung auf 140 Zeichen pro Eintrag.
Für einen diesmal recht humorlosen Autor namens „ep“ von der in der Region Arnstadt monopolistischen Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“ war das freilich zu heftig. Ein solcher Vergleich „verbietet“ sich, dekretierte er tags darauf in seinem Blatt – obwohl man von ihm sonst bessere Texte kennt, auch aus seinem „BlogArnscht“. Und „ep“ meinte darüber hinaus: „Zumal aus dem Munde Frank Kuschels, dessen persönliches Verhältnis zu Diktaturen wegen seiner DDR-Vergangenheit schon häufig Thema nicht nur im Landtag war.“
Gemeint war offenbar, dass Frank Kuschel ab 1987 IM der DDR-Staatssicherheit war - bereits 1990, also vor 20 Jahren, hat er das offengelegt. Doch wichtiger als der Inhalt einer Botschaft ist, folgt man „ep“, die Person, die sie äußert. Und für bestimmte Handlungen in der Vergangenheit lautet die Ahndung durch schreibende Moralapostel anscheinend "lebenslängliche Äußerungs-Sperre". Keine Chance auf Resozialisierung, nirgends... In einem früheren Leben war „ep“ übrigens Vorsitzender der Landespressekonferenz Thüringen und schaute gelegentlich den Mächtigen auf die Finger. „Verdammt lang her“, möchte man leise singen...

Montag, Dezember 20, 2010

Bizarre Justizpanne

Am 20.12.1924 wird Adolf Hitler aus der Festung Landsberg entlassen. In Haft war er wegen seiner Teilnahme am Putschversuch vom 8./9.11.1923 in München geraten, bei dem 20 Menschen zu Tode kamen, darunter vier Polizisten. Weil der Vorsitzende Richter mit ihm sympathisiert, wird Hitler wegen Hochverrats nur zur Mindeststrafe von fünf Jahren und einer Geldstrafe von 200 Goldmark verurteilt. Während der Festungshaft entsteht sein berüchtigtes, schwer lesbares Pamphlet „Mein Kampf“. Nach nur neun Monaten darf er Landsberg verlassen. Hitler selbst dürfte sich wegen des offiziellen Entlassungsgrundes in seinen Zukunftsplänen enorm bestärkt gefühlt haben – er beendet die Festungshaft vorzeitig wegen „guter Führung“.

Donnerstag, Dezember 16, 2010


Hier das aktuelle Interview zu meinem neuen Buch "Das unsichtbare Visier. Die Geschichte einer Kultserie" (Greifenverlag Rudolstadt), erschienen in der Zeitschrift UNZ (Erfurt), Nr. 25-26/2010.

Mittwoch, Dezember 15, 2010

Großes Hauen und Stechen

Weihnachten herrscht vielerorts „Friedenspflicht“. Doch pünktlich vor dem Fest der Liebe ist in der FDP das große Hauen und Stechen ausgebrochen. Während andere Zeitgenossen mehr oder weniger besinnlich durch weihnachtlich geschmückte Kaufhäuser streifen, ahnt so mancher Bonze der Pünktchenpartei spätestens nach dem dritten Becher Glühwein, wohin die Reise gehen könnte. Seit Monaten nagen die Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde.
Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef im Landtag von Schleswig-Holstein, fiel als erster um im liberalen Funktionärs-Mikado. Im erbärmlichen Zustand der FDP will er sich an die „Spätphase der DDR“ erinnert sehen. Der Vergleich ist unsinnig und beleidigt irgendwie so an die 17 Millionen Menschen. Doch nicht aus diesem Grund folgte der freidemokratische Gegenschlag. Wobei jedoch auch Kubickis Konkurrenten nicht sonderlich glücklich agierten. Die Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Birgit Homburger gab ihren Parteifreunden den brutal ehrlichen Rat, die FDP brauche „nicht nur Nörgler und Selbstdarsteller“. Folg man indes Homburgers Logik und greift ihre Formulierung („Nicht nur“) auf, dann bedeutet das wohl, die FDP braucht auch solche Leute. Noch schlimmer: beim Verzicht gerade auf Selbstdarsteller könnte der Laden wahrscheinlich gleich dicht machen.
Patrick Kurth hat sich durch Kubickis Attacke möglicherweise persönlich angesprochen gefühlt. Der „Generalsekretär“ der FDP Thüringen (und „Ostbeauftragte“ der Zwergpartei) fand den Vergleich „völlig unzulässig“. „Die FDP muss Politik machen, anstatt zu reden“, behauptet Kurth. Besser wäre freilich, sie würde beides lassen. Darf man das eigentlich sagen? Kritisch über die FDP zu reden hat derzeit immerhin fast etwas von Leichenschändung...

Der Text ist am 14.12. in meiner Kolumne "Das Letzte" im "Linken Parlamentsreport" (Erfurt) erschienen.

Mittwoch, Juli 15, 2009

Aller Ehren wert

Tolle Tage für Dieter Althaus. Gleich mit zwei neuen Orden kehrt der Ministerpräsident aus Polen zurück. Man hatte ihm dort zunächst nur die Verdienstmedaille der Region Malopolska (Kleinpolen) ausgehändigt. Aber mit kleinen Dingen gibt sich ein Dieter Althaus längst nicht mehr ab. Ob er gedroht hat, er werde erst nach höheren Weihen wieder abreisen? Jedenfalls hat dann „Polens Präsident nach Zögern entschieden“ (Thüringer Allgemeine), Althaus das „Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen“ zu verleihen. „Tief bewegt“ (Althaus über Althaus) reagierte der Geehrte.
Das Besuchsprogramm beinhaltete sogar einen Abstecher ins Papstmuseum bei Krakow. Im Geburtshaus des späteren Johannes Paul II. bekamen die Gäste aus Thüringen Devotionalien satt geboten: „Gewänder des Papstes hängen in den Vitrinen, Skier und Skianzug und vieles mehr“ (Thüringische Landeszeitung). Nicht berichtet wurde, ob Althaus die letztgenannten Utensilien besonders begutachtete.
Die Frage allerdings, wo der Ministerpräsident die neuen Auszeichnungen befestigt, soll bei der Protokollabteilung der Staatskanzlei für hektische Betriebsamkeit gesorgt haben. Die nicht sehr breite Brust des Thüringer Regierungschefs wird ja bereits jetzt von zahlreichem Ehrenblech beschwert. Die Hausjuristen mögen vor allem intensiv beratschlagt haben, ob Althaus die polnischen Orden am Jackett neben das Kommandeurskreuz der französischen Ehrenlegion, den UMU-Mittelstandspreis oder besser die „Medaille für hervorragenden Leistungen bei der kommunistischen Erziehung in der Pionierorganisation Ernst Thälmann in Gold“ hängen soll. Der Platz neben dem „Großen Silbernen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich“, das Althaus ebenfalls besitzt, muss indes unbedingt frei bleiben. Insider munkeln, er warte auf einen Ehrenpreis der Stiftung Sicherheit im Skisport.

Montag, Juni 29, 2009

Hirnfuck - der alltägliche Medienwahnsinn (2)

Der Kapitalismus kollabiert. Die neoliberalen Agitationsmaschinen setzen noch auf Augen zu und durch. "Die Linken sind an allem schuld", ein altes Feindbild des Dummdeutschen wird emsig bedient. Viele Fußkranke der neoliberalen Heilslehre sitzen beim Spiegel in Hamburg, vor langer Zeit als kritisches Magazin "Sturmgeschütz der Demokratie" genannt. Inzwischen gilt: Im Westen nichts Neues.
Beim Internet-Ableger Spiegel Online (SPON) ist Reinhard Mohr ein Mann für krankhafte Hetzereien, wenn es gegen alles Linke geht. Wen wundert es, dass er jetzt sehr geschäftig wird. Als neue Frontlinie seines Heiligen Krieges gegen Links hat er sich den Iran ausgesucht. Tenor: Linke machen sich mit dem Regime gemein.
Was will Mohr herausgefunden haben? "Auch Tage nach den riesigen Demonstrationen und den Drohungen des Regimes in Teheran fand sich etwa im Leitorgan der Linken, dem "Neuen Deutschland", kein Sterbenswörtchen über die dramatischen Ereignisse." Soweit Mohrs Propagandamärchen. Tatsächlich wurde im ND zeitnah und ausführlich berichtet, hier Beispiele: "Irans Opposition fühlt sich betrogen" (15.6.), "Maulkorb für Auslandspresse" (17.6.), "Gewalteskalation in Teheran" (22.6.). "Kein Sterbenswörtchen"? Da Mohr für seine Arbeit von SPON bezahlt wird, handelt es sich bei ihm wohl um einen gewerbsmäßigen Lügner.
Nebenbei arbeitete er sich an André Brie ab. Als der im Spiegel gegen Oskar Lafontaine wetterte, galt er als "Vordenker der Linken". Weil er zum Iran einen weniger auf Blattlinie liegenden Kommentar abgab, wurde dieser von Mohr als "Stellungnahme des angeblichen Reformers und Ex-Stasi-IM André Brie" gewürdigt. Früher kannte man die Praxis, Menschen gnadenlos zu instrumentalisieren, von BILD. "Vom Spiegel zum Stürmer", urteilte ein Leser im SPON-Forum über Mohrs Beitrag.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,632499,00.html

Montag, Juni 15, 2009

Nichts Neues

In Berlin nichts Neues. Die SPD zelebriert sich auf ihrem Parteitag zum Start des Bundestagswahlkampfes als politisches Chamäleon und Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier eiert sich in die längst verkaufte Seele der Partei. Man wolle, so die öffentliche Bekundung, im Bund die „Ampelkoalition“ mit Grünen und FDP. Ein dazu passendes Programm hat man zwar nicht, aber wen stört das in einer Partei, die sowieso umfällt, wenn es ernst wird?
Intern setzen die Strippenzieher sowieso auf die Fortsetzung der Koalition mit der CDU – vor allem die, denen es um das persönliche Fortkommen geht. Man muss nur Finanzminister Peer Steinbrück zuhören, der sich in Interviews weigert, Angela Merkel zu kritisieren: „In einem solchen Wahlkampf muss es ein Rollenspiel innerhalb einer Partei geben.“
Derlei Machtinstinkt führt dazu, dass nach außen selbst blasse Funktionäre wie Christoph Matschie plötzlich als Visionäre gelten angesichts ihrer Ansage, auch Koalitionen mit der LINKEN seien möglich – unter Führung der SPD. Eine geisterhafte Vision ist allein Matschies feuchter Traum von der „stärksten Partei“, den kleinste Zuwächse bei der Kommunalwahl offenbar wieder bei ihm auslösen.
„Ich will Kanzler aller Deutschen werden“, soll Steinmeier, einer der Architekten der „Agenda 2010“, gesagt haben. Steinbrück ist da brutal ehrlicher: „Wahlen werden in Deutschland in der Mitte entschieden, nicht an den Rändern und nicht in der Addition von Minderheitsinteressen.“ Und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der als Linker in der SPD gilt, wunderte sich beim Parteitag: „Wer hätte erwartet, dass fast alle jetzt die Hartz-IV-Reform beklatschen?“ Wo lebt der Mensch bloß?
Steinmeier hämmert den Seinen unterdessen ein, dass „die Ideologie, die uns in die Krise geführt hat, nicht die Antwort auf die Krise sein kann.“ Wenn er das wirklich so meint, warum tritt er dann überhaupt an?

Dienstag, Mai 26, 2009

Hirnfuck - der alltägliche Medienwahnsinn (1)

Springers Tageszeitung "Die Welt", das Konzernangebot an den Teil der nationalkonservativen Dumpfbacken, die lesen können und denen die vielen nackten Frauen in der BILD Angst einjagen, beutet die Kurras-Story aus bis zum Erbrechen.
Heute schickte man dazu die Knallcharge Sven Felix Kellerhoff an die Front. Der ist 1971 geboren, soll irgendwann irgendwo Geschichte studiert haben und macht vor allem deutlich, dass Alterssenilität auch deutlich unterhalb der 40 möglich ist.
Kellerhoff firmiert bei Springer als "Leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte bei der WELT und der Berliner Morgenpost". Kultur und Morgenpost - schon das ist ein Widerspruch in sich, aber das ist eine andere Geschichte. Ein Verlag jedenfalls, der den trostlosen Versuch wagt, mit Kellerhoff-Büchern den großen Reibach zu machen, äußert sich so über seine etwas schmierige Edelfeder: "Seit etwa einem Jahr verlagerte er den Schwerpunkt seiner geschichtsjournalistischen Arbeit von der NS-Vergangenheit auf die doppelte deutsche Vergangenheit, da ihm die Aufarbeitung der Geschichte der DDR und der deutsch-deutschen Beziehungen auf hohem Niveau erforderlich erscheint."
Auf dieses hohe Niveau setzt Kellerhoff natürlich auch bei den Spingers. Dort hat er übrigens schon 1997 angeheuert - und dürfte mithin die Genehmigung haben, jeden Behindertenparkplatz zu benutzen.
Sein Kurras-Nachklapp ist durchsetzt mit folgende Bemerkungen - in der Regel ganz klare Indizien für ein hohes Niveau: "spricht dafür", "kann derzeit nicht beantwortet werden", "könnte ... zusammenhängen", "eine zweite Möglichkeit ist", "entsprechende Hinweise konkret zu Kurras gibt es derzeit aber nicht", "Sachkenner spekulieren".
Im Klartext: Kellerhoff hat ein aufgeblasenes Nichts für die sensationsgeilen Springer-Konsumenten serviert. Und, nun ja, andere Sachkenner spekulieren, dass der Autor, also Kellerhoff, der für diesen Dreck verantwortlich ist, ganz der ersten Regel der spezielen journalistischen Ethik der Gossenmedien entspricht: zu allem bereit, zu nichts in der Lage.

Fazit: Wenn die Studentenbewegung, deren Geschichte die üblichen Verdächtigen jetzt gleich umschreiben wollen, eine sinnvolle Forderung hatte, dann die: "Enteignet Springer!"

http://www.welt.de/politik/article3807200/Die-Akten-der-Sowjets-ueber-Karl-Heinz-Kurras.html

Neustart

Leider hat AOL seinen Blog-Dienst einegstellt - meine Seite "Auch das noch!" ist damit aus dem Rennen. Deshalb der Neustart hier. Künftig wird es Beiträge geben - darunter solche in der Rubrik "Hirnfuck - der alltägliche Medienwahnsinn".

Sonntag, Oktober 16, 2005

Enttäuschend

Eigentlich kaufe ich neu veröffentlichete DVDs nicht - sie sind schlicht zu teuer und nach einer gewissen Wartezeit schlägt das Preis-Leistungs-Verhältnis sowieso zugunsten des Verbrauchers aus. Bei "Per Anhalter durch die Galaxis" habe ich eine Ausnahme gemacht und sie mir gestern für fast 18 Euro in einem großen Medienmarkt geholt. Douglas Adams, der Autor der Romanvorlage(n), der bis zu seinem Tod am Drehbuch mitgearbeitet haben soll, gehört schließlich zu meinen Lieblingsautoren und hat mich bei einigen meiner Storys inspiriert. Am Abend kam der Film natürlich gleich in den Player - und enttäuschte mich auf ganzer Linie.
In einem Satz zusammengefasst: Die Verfilmung ist mies, auf nervende Weise wirr und überflüssig. Die Szenen, die der Handlung der Kultromane entsprechen, fallen glatt hinter die geniale BBC-Serie von 1981 zurück. Die neu erfundenen Stränge machen die Geschichte nicht stringenter - im Gegenteil, sie verwirren. Ich möchte wetten, dass etliche der Kinogänger und DVD-Besitzer, die die literarische Vorlage nicht kennen, den Film nicht verstehen.
Bei den nervös herum hüpfenden Hauptdarstellern bleibt der Witz auf der Strecke. Auch der Sinn des Experiments, die Rolle des Ford Prefect (ein auf der Erde arbeitender Bewohner von Beteigeuze) durch den schwarzen Schauspieler Mos Def verkörpern zu lassen, erschließt sich mir nicht einmal ansatzweise. Da hilft die gute Tricktechnik nicht die Bohne - der Film ist eine Gurke. Wer die optische Umsetzung der Romane genießen möchte, sollte zur sechsteiligen BBC-Serie greifen, die es für fast den gleichen Preis als Doppel-DVD gibt, verpackt in eine Hülle, die dem fiktiven Design des Reiseführers nachempfunden ist. Und der Filmcrew der Neufassung könnte ein weniger wohlmeinender Kritiker wünschen, dass sie der Gefräßige Plapperkäfer von Traal holen möge ...

Montag, September 19, 2005

Endspurt

Die Bundestagswahl war gestern - außer für den Wahlkreis Dresden I - und viele Menschen haben (richtig) gewählt.
Für zwei andere Wahlen läuft die Frist noch bis zum 30. September und ich hoffe auch auf eine hohe Beteiligung - und natürlich auf eine Stimmabgabe für mich.
Zwei meiner Kurzgeschichten sind für Literaturpreise nominiert: Die Gruselstory "Die Panne" ist in der Endrunde des "Nyctalus 2005" (verliehen von der Dracula Society) und "Ein Alien kommt selten allein" befindet sich beim "Deutschen Phantastik Preis 2005" im Rennen. Beides sind Publikumspreise und ich zähle auf Sie!
Hier geht es zu den Abstimmungen:
http://www.dracula-kongress.de/nominierungen/nominierung.htm (Nyctalus)
http://www.foltom.de/phden05.html (Phantastik Preis)
Der Wurdack Verlag, in dessen Anthologien beide Geschichten erschienen sind, bietet sie als exklusives eBook an, das kostenlos heruntergeladen werden kann.
Zum Download: http://www.wurdackverlag.de/download.htm

Dienstag, September 13, 2005

Was für ein Tag

Gemeint ist Sonnabend, der 10. September.
Zuerst bin ich mit einem Bundestagsdirektkandidaten durchs Weimarer Land geradelt. Natürlich nicht mit irgendeinem: Mit Frank Spieth, der als Parteiloser für die Linkspartei antritt und DGB-Landesvorsitzender ist. Am Abend berichtete sogar der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) im „Thüringen Journal“ über die Fahrt.
Ich kenne und schätze Frank Spieth seit Jahren und war deshalb gern mit ihm unterwegs - wenn auch unter extrem erschwerten Bedingungen.

Da ich einige Kilometer von Start und Ziel der Tour entfernt wohne, musste ich mir ein Fahrrad leihen. Kurz und gut: Das Ding war alt, zu klein und hatte eine Sattelhöhe, bei der ich meine Beine etwas mehr als zur Hälfte durchstrecken konnte. Leider war der Sattel so fest in den Rahmen eingefressen, dass ein Verstellen unmöglich war. Mit dem Rad strampelte ich bei brütender Hitze um die 20 Kilometer durch den Wahlkreis 194 und so ziemlich jeder aus der Gruppe fragte mich zwischendurch, ob es nicht besser (und vor allem gesünder) sei, den Sattel etwas höher zu stellen ... Immerhin begleitete uns ein Drehorgelspieler (natürlich im Auto!) und das Team war eine lustige Truppe. Irgendwann nach 14.00 Uhr verabschiedete ich mich.

Dann schnell nach Hause, unter die Dusche und mit dem Auto nach Lunzenau. Dort war ich zum 1. Muldencon eingeladen, dem Treffen von Science Fiction-Freunden der Region Chemnitz, um gegen 17.00 Uhr eine Geschichte zu lesen. Funktionierte mein neuer „Yakumo alpha GPS“, ein Taschencomputer mit Navigationsfunktion und brachte mich nach Lunzenau? Kam ich dort rechtzeitig an? Fragen über Fragen ...

Ja, natürlich hat mich der Navigator nach Lunzenau gebracht. Und nein, ich bin nicht pünktlich angekommen. Erst gute zehn Minuten und zwanzig Flüche nach dem ausgemachten Lesungstermin erreichte ich das Ferienlagergelände, auf dem der 1. Muldencon stattfand.

Doch die Teilnehmer hatten sich sowieso für einen kreativen Umgang mit dem Zeitplan entschieden. Nur keine Hektik, war die Devise. Ganz entspannt konnte ich Heidrun Jänchen begrüßen, die den Stand des Wurdack Verlages schon am Morgen aufgebaut hatte, nebenan zwei antiquarische Bücher erwerben und ein Glas Mineralwasser trinken. Die Atmosphäre gefiel mir, die Leute waren echte Fans, die in der Region einen regelmäßigen Treff etablieren wollen.

Gegen 18.00 Uhr begann die Lesung - wegen des schönen Wetters draußen, in einem großen Zelt mit drei geöffneten Seiten. Heidrun Jänchen und ich hatten entschieden, aus der Anthologie „Walfred Goreng“ zu lesen. Heidrun informierte kurz über das Science Fiction-Programm des Wurdack Verlages und trug dann ihre düstere Story „Omega“ vor, die von einem Krieg im Weltraum handelt, den die Menschen trotz überlegener Technik nicht gewinnen können. Und ich brachte meine Satire „Ein Alien kommt selten allein“.

Um es kurz zu machen: Wir kamen beim Publikum an, es wurde geklatscht, bei meinem Vortrag wurde gelacht, ich wurde um Autogramme gebeten (zwei!) und erhielt zwei Einladungen zu Lesungen in Leipzig und Dresden. Ein gelungener Abend - doch ich war, als ich gegen zehn Uhr zuhause ankam, gehörig geschafft. Dennoch: Beim nächsten Muldencon bin ich, wenn möglich, wieder dabei.

Sonntag, August 28, 2005

Nächste Lesung

Science Fiction-Fans nennen ihre Treffen Convention, abgekürzt Con. Zu einer solchen Veranstaltung laden die Freunde der Science Fiction aus der Region Chemnitz vom 9.-11. September nach Lunzenau. Als Namen haben sie "MuldenCon" gewählt (benannt nach der Mulde, einem Nebenfluss der Elbe).
Zu dieser Convention werde ich mich am Nachmittag des 10.9. an einer Lesung beteiligen. Wer also meine Kurzgeschichte "Ein Alien kommt selten allein" noch nicht kennt oder/und sie von mir vorgelesen bekommen möchte, sollte sich einfach an diesem Tag nach Lunzenau aufmachen.

http://www.muldencon.de

Donnerstag, August 25, 2005

Die Geister die man ruft ...

... wird man mitunter nicht so schnell wieder los!

Da hatten der Wurdack Verlag und ich die Idee, uns mit einer Pressemitteilung an Regionalzeitungen in Thüringen zu wenden und über meine Nominierungen zu berichten.

Am 5.8. brachte die "Thüringer Allgemeine" auf der Kulturseite unter der Überschrift "Mit Aliens auf dem Weg zum Literaturpreis" einen kurzen Bericht. Einige Tage später meldete sich eine Redakteurin der Zeitung "Freies Wort". Sie wolle sich das Statement eines Nachwuchsautors zu Thomas Mann einholen und sei auf mich gekommen. Und sie fragte, was ich denn mit Thomas Mann verbinde ...

Thomas Mann? Ziemlich überrascht spulte ich ein paar Sätze ab. Am 13.8. war ich dann im Feuilleton von "Freies Wort" und "Süddthüringer Zeitung" mit Bild und folgendem Text zu finden:

Stefan Wogawa [...] ist Science-Fiction-Autor. Er hält Mann für einen Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen, die er in Gleichnisse verpackte. "Mario und der Zauberer" beeindruckt den 38-jährigen am meisten, da es eine sprachgewaltige Geschichte über die Suggestivkraft von Demagogen sei. "Thomas Mann und ich haben eine Gemeinsamkeit. Und zwar Weimar. Mann hat "Lotte in Weimar" geschrieben, ich die Shortstory "Golem & Goethe".

Dienstag, August 16, 2005

eBook downloaden

Meine für Literaturpreise nominierten Kurzgeschichten "Die Panne" (in der Endrunde des "Nyctalus 2005") und "Ein Alien kommt selten allein" ("Deutscher Phantastik Preis 2005") präsentiert der Wurdack Verlag jetzt als kleines, exklusives eBook, das kostenlos heruntergeladen werden kann. Hier geht es zum Download:

http://www.wurdackverlag.de/download.htm

Sollten Ihnen die Geschichten gefallen, bitte ich um Ihre Stimme - beide Preise sind Publikumspreise, die Leserinnen und Leser entscheiden über die Sieger. Hier geht zu den Abstimmungen:

http://www.dracula-kongress.de/nominierungen/nominierung.htm (Nyctalus)

http://www.foltom.de/phden05.html (Phantastik Preis)

Natürlich freue ich mich auch über Ihre Meinung und (möglicherweise!) über Ihre Kritik.

Sonntag, Juli 17, 2005

Nominierungen

Für einen Literaturpreis nominiert zu werden, ist für Autoren ein freudiges Ereignis. Für die meisten jedenfalls.
Ich gebe zu: Auf mich trifft das zu - und ich hatte die Freude innerhalb von 24 Stunden gleich zweimal! Am 14. Juli habe ich erfahren, dass meine Grusel-Kurzgeschichte "Die Panne" (erschienen in der Anthologie "Das Gewächshaus", Wurdack Verlag 2004) für den "Nyctalus 2005" der "Dracula Society" nominiert wurde. Es handelt sich um einen erstmals verliehenen Publikumspreis, der während des Kongresses "Der Vampir im Film" im November überreicht wird, und die Endabstimmung läuft. Bei der starken Konkurrenz kann ich jede Stimme brauchen!
http://www.dracula-kongress.de/nominierungen/nominierung.htm
Einen Tag später erreichte mich die Nachricht, auch meine Science Fiction-Story "Ein Alien kommt selten allein" (aus der Anthologie "Walfred Goreng", Wurdack Verlag 2004) wurde nominiert - für den "Deutschen Phantastik Preis 2005" in der Kategorie "Beste Kurzgeschichte". Das ist ebenfalls ein Publikumspreis, der jährlich schon traditionell während der BuchmesseConvention, dem Treffen des phantastischen Literaturgenres in Deutschland, verliehen wird. Hier gehört Andreas Eschbach, der bekannteste deutsche Science Fiction-Autor, zu meinen direkten Konkurrenten. Die Endabstimmung beginnt in den nächsten Tagen.
http://www.phantastik-news.de/modules.php?name=News&file=article&sid=927
P.S. Bei beiden Kurzgeschichten handelt es sich natürlich um Satiren.

Samstag, Juni 18, 2005

Im Land der Gegensätze

Ägypten ist, mit europäischen Augen betrachtet, ein Land der Gegensätze. Ein klarer Gegensatz liegt in der Kultur, denn sie hat zwei Seiten: Die pharaonische, nur noch in den uralten Monumenten und den Exponaten der Museen existiert, und die dominierende arabisch-islamische, als deren Zeugen die Moscheen selbst im kleinsten Dorf stehen.
Doch es lassen sich weitere handfeste Gegensätze finden. Mehr als 90 Prozent des Landes sind lebensfeindliche Wüste – am Nil dagegen findet sich ein schmales Band landwirtschaftlich nutzbaren Bodens, der zu den fruchtbarsten der Erde zählt. Winzige Ortschaften bestehen nur aus verfallenen Lehmhütten, die aber alle an ein Stromnetz angeschlossen sind. Ein Fußweg hört nach 50 Metern auf, wurde einfach nicht weitergebaut, an seinem geplanten Verlauf stehen jedoch Betonmasten mit Lampen, die einer Großstadt zur Ehre gereicht hätten. Kinder tragen die traditionellen, bis an die Füße reichenden Umhänge, die Galabijas, – und spielen Fußball. In Ortschaften sind die Straßen nur bessere Wege, einige Kilometer weiter zieht sich durch eine unbewohnte Felswüste eine Asphaltstraße, die wie mit der Wasserwaage aufgebracht scheint. Auch in kleinen Städten stehen niedrige, halb zerfallene Ziegelhütten, daneben Hochhäuser im Plattenbaustil. Auf die Gefahr, sich in Äußerlichkeiten zu verlieren: Das ganze wirkt, als hätte jemand ein Sieb geschüttelt, worauf ein paar Brocken von Fortschritt auf die sonst karge Erde fielen.
Ein Eindruck, den die Hauptstadt Kairo noch verstärkt: Die größte Stadt Afrikas, arabisch El-Qahira, „die Herrliche“, ist ein Moloch mit 17 Millionen Einwohnern, in den täglich weitere zweitausend Menschen ziehen. So gigantisch wie die Stadt sind ihre Probleme: Der Verkehr ist nur mit dem Begriff chaotisch beschreibbar, die Entsorgung von Abwasser und Müll gelingt nicht, Wohnungen fehlen – selbst Friedhöfe werden bewohnt. Ägyptische Offizielle betonen zwar, man bekomme das in den Griff, aber „Inschallah!“ – „wenn Gott es will“. Einen imposanten Ausblick auf die brodelnde Metropole bietet übrigens die Zitadelle, manchem vielleicht als Filmkulisse bekannt.
Ihren Ursprung hat die Stadt, die der Legende nach an dem Platz liegt, an dem sich einst die Götter Horus und Seth bekämpften, in einer um 500 v.u.Z. erbauten Festung. Seit dem Jahr 642 ist Kairo islamisch, beherbergt noch heute mit der El-Azhar-Universität das geistige Zentrum des Islam. Der turbulenten Geschichte des Landes kann man sich im berühmten Ägyptischen Museum nähern – genügend Zeit vorausgesetzt, denn es quillt über von Exponaten. Die 5.000 Jahre alte Palette des Pharaos Narmer, die aus der Zeit der Vereinigung von Ober- und Unterägyptens zu einem Staat stammt, ist im Erdgeschoss gleich hinter dem Eingang zu sehen. Der „Amarna-Raum“ ist dem Stifter der ersten monotheistischen Religion, dem die Sonne verehrenden Pharao Echnaton, gewidmet. Im Obergeschoss befinden sich der Mumiensaal, für dessen Besichtigung allerdings extra gezahlt werden muss, und der prächtige Grabschatz des Tutenchamun mit der berühmten Goldmaske.
Auf dem Plateau von Gizeh, direkt an der Stadtgrenze Kairos, liegen die wirklichen Symbole Ägyptens – die drei großen Pyramiden, die den Jahrtausenden trotzten. Das letzte erhaltene der antiken Sieben Weltwunder soll von den Pharaonen der vierten Dynastie vor 4.500 Jahren erbaut worden sein – als Grabmäler der Gottkönige. Bewacht wird der Komplex vom monumentalen Sphinx, einer steinernen Löwenfigur mit menschlichem Kopf. Allein für die größte Pyramide, 137 Meter hoch, wurden 2,3 Millionen Kalksteinblöcke verbaut. Die fast unbegreifliche Baugenauigkeit – die größte Abweichung der Seitenlängen liegt bei 13 Zentimetern – ist bis heute nur schwer erklärbar. Der griechische Historiker Herodot schrieb im fünften Jahrhundert v.u.Z.: „Es dauerte zehn Jahre, ehe nur die Straße gebaut war, auf der die Steine dahergeschleift wurden, ein Werk, das mir fast ebenso gewaltig scheint, wie der Bau der Pyramiden selbst“. Grandios ist auch die südlich von Kairo gelegene Nekropole von Saqqara mit der 60 Meter hohen Stufenpyramide des Pharaos Djoser, dem ältesten monumentalen Steinbau der Welt.
Viel Sehenswertes findet sich an der Lebensader Ägyptens, dem Nil. Seine Faszination lässt sich am besten während einer Kreuzfahrt erleben, die meist zwischen Assuan und Luxor durchgeführt werden. Assuan ist berühmt wegen seines Hochdammes, der, in den sechziger Jahren mit sowjetischer Hilfe erbaut, den Nil reguliert und ganz Ägypten mit Strom versorgt. Der immense Eingriff in die Natur offenbart mittlerweile aber auch Nachteile, so eine ständig steigende Versalzung des Bodens. In Luxor, der Tempel des Amun in Karnak an dem 1.300 Jahre bauten Theben: Religion, Geburtsort der ganzen Welt Luxortempel, Tal der Könige: vor allem das Grab des Tutenchamun, Weitere Höhepunkte einer Nilkreuzfahrt sind der Tempel des Falkengottes Horus in Edfu, der als der besterhaltene Ägyptens gilt, der Tempel der Göttin Hathor in Dendera und der dem Krokodilgott Sobek geweihte Tempel von Kom Ombo, dessen Wände die Abbildungen medizinischer Instrumente zieren, die vom großen heilkundlichen Wissen der alten Ägypter zeugen. Abu Simbel (den der Ägyptologe Piotr Scholz eine „in Stein verewigte Herrschaftsidee“ nennt)
Eine ganz andere Seite Ägyptens zeigt sich an der Küste des Roten Meeres: Tauchbegeisterte finden im kristallklaren Wasser mit seinen Korallen und farbenprächtigen tropischen Fischen ein wahres Paradies. Die Stadt Hurghada, touristisches Zentrum der Region, platzt schon aus allen Nähten und auch die früheren Fischerorte Safaga und El Quisier, die weiter südlich liegen, werden deshalb erschlossen. Doch auch hier hat der Tourismus zu Schäden geführt, Umweltschutz.
Die Stadt Alexandria, in dessen Hafen kürzlich Reste des Tempels der Kleopatra gefunden wurden, der Sinai mit dem Katharinenkloster und dem und Ausgrabungen pharaonischer Städte im Nildelta, darunter der Stadt Pi-Ramesse, die
„Wer aus dem Nil trinkt, kommt nach Ägypten zurück“, sagen die Einheimischen. Von ersterem ist aus medizinischen Gründen zwar dringend abzuraten, ein Besuch des faszinierend en Landes zieht aber fast unweigerlich weitere nach sich.

Montag, Mai 09, 2005

"Das Abenteuer auf dem Katheder bestanden" - Friedrich Schiller als Historiker

Er ist vor heute allem als großer Dichter bekannt, als Dramatiker und Lyriker, auch als Philosoph. Doch Friedrich Schiller (1759-1805) wirkte ebenso als Historiker, war sogar Universitätslehrer. Diesem speziellen Aspekt seines Lebens, der bisher von der Geschichts- wie der Literaturwissenschaft eher zögerlich behandelt wurde.
Der berühmte Dichter der „Räuber“ war im Juli 1787 in Weimar angekommen. Schiller, der schon 1785 bei einem Besuch des Herzogs Carl August in Mannheim zu dessen Hofrat ernannt worden war, hatte sich eigentlich vorgenommen, nur kurz Station in Thüringen zu nehmen. Doch es kam ganz anders. Er verbrachte auch einige Tage in Jena, als Gast des Philosophieprofessors Karl Leonhard Reinhold, eines Schwiegersohns von Christoph Martin Wieland. Vom Geist der Universitätsstadt war Schiller tief beeindruckt: „Die Professoren sind in Jena fast unabhängige Leute und dürfen sich um keine Fürstlichkeit bekümmern. Diesen Vorzug hat Jena unter den Akademien voraus“, ließ er seinen Freund Christian Gottfried Körner in Dresden wissen. Danach hielt er sich in Rudolstadt auf, machte die Bekanntschaft der verwitweten Luise von Lengefeld und ihrer zwei Töchter. Schon im Mai 1788 zog Schiller für längere Zeit ins nahe gelegene Volkstedt. In der selbst gewählten Abgeschiedenheit des durch seine Porzellanmanufaktur bekannten Dorfes beendete er den ersten Band des „Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung“. Dieses Buch machte nachdrücklich auf Schiller als Autor historischer Werke aufmerksam. Ein erstes hatte er bereits 1786 mit der Übersetzung von Merciers „Philipp der Zweite, König von Spanien“ in der Zeitschrift „Thalia“ veröffentlicht. Im Haus der Lengefelds, in das die aufkeimenden Gefühle für die jüngere Tochter ihn zogen, lernte er Goethe kennen.
Während des Aufenthaltes in Volkstedt entstand auch Schillers Schrift „Herzog von Alba bei einem Frühstück auf dem Schlosse zu Rudolstadt im Jahr 1547“, die im Oktober 1788 im „Teutschen Merkur“ erschien. Er beschreibt darin Geschehnisse beim Durchzug kaiserlich-spanischer Truppen während des Krieges des katholischen Kaisers Karl V. gegen protestantische Fürsten des „Schmalkaldischen Bundes“. Die verwitwete Gräfin Katharina von Schwarzburg hatte von Karl V. einen Schutzbrief erhalten. Während der Befehlshaber der Spanier, der Herzog von Alba, begleitet von Adligen auf ihrem Schloss in Rudolstadt bewirtet wurde, erfuhr sie, dass Soldaten wortbrüchig in den umliegenden Dörfern plünderten. Als die Offiziere sich weigerten, dagegen einzuschreiten, nahm die resolute Frau die Anwesenden mit dem Ausspruch „Fürstenblut für Ochsenblut!“ kurzerhand als Geiseln. Alba fertigte daraufhin kreidebleich den Befehl aus, das Raubgut zurückzugeben – und Katharina „bedankte sich aufs schönste bei ihren Gästen, die sehr höflich von ihr Abschied nahmen“.
Eine Berufung als Professor war Schiller erstmals bei seinem Besuch in Jena 1787 in Aussicht gestellt worden. Nun folgten, von Goethe vorangetrieben, Verhandlungen mit den Erhalterstaaten der Universität.
Schillers eigentlich ungeliebten Studien an der militärischen „Karlsschule“ in Stuttgart, wo er sich zunächst den Rechten und später der Medizin gewidmet hatte, wurden als akademische Grundlagen anerkannt. Doch er musste noch die Magister- und Doktorpromotion nachholen, die Voraussetzung für die Lehrtätigkeit an einer Universität waren. Sie stellten allerdings eher einen bürokratischen und finanziellen als einen wissenschaftlichen Akt dar. Der, so Schiller, „Magisterquark“ habe ihn 30 Taler gekostet: „Diese Professur soll der Teufel holen; sie zieht mir einen Louisd’or nach dem andern aus der Tasche“, schrieb er im Januar 1789 verärgert an Körner. Nach Abschluss aller Formalitäten wurde er zum „außerordentlichen Professor an der philosophischen Fakultät“ ernannt.
Schillers akademische Antrittsvorlesung „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“, gehalten am 26. Mai 1789 im größten Vorlesungssaal Jenas vor hunderten von begeisterten Studenten, war ihrer Zeit weit voraus. Er hat die von der Philosophie Kants beeinflussten Gedanken in Deutsch und nicht, wie üblich, in Latein vorgetragen. Die Universalgeschichte widme sich, so Schiller, den geschichtlichen Begebenheiten, „welche auf die heutige Gestalt der Welt und den Zustand der jetzt lebenden Generationen einen wesentlichen, unwidersprechlichen und leicht zu verfolgenden Einfluß gehabt haben“. Mit der Unterscheidung zwischen dem „Brodgelehrten“ und dem „philosophischen Kopf“ – dem Schillers volle Sympathie gilt – plädiert er nachdrücklich für ein neues Bildungsideal, regt Reformen der universitären Ausbildung an. An Körner schrieb er stolz, er habe „endlich das Abentheuer auf dem Katheder rühmlich und tapfer bestanden“.
Schon im ersten Jahr seiner Lehrtätigkeit wurde Schillers Arbeit von einer typisch deutschen Kontroverse um seine Fachbezeichnung überschattet. Beim Druck seiner Antrittsvorlesung hatte er es gewagt, sich als „Professor der Geschichte in Jena“ zu bezeichnen, da ihm gegenüber stets von einem historischen Lehrfach geredet worden war. Das Recht, diesen Titel zu führen, hatte jedoch nur der Inhaber der Nominalprofessur für Geschichte. Für die Mehrzahl der Mitglieder der Philosophischen Fakultät hatte die Angelegenheit eine große Bedeutung, da es ihnen wichtig war, ihre Nominalprofessuren von den außerordentlichen Professuren abzugrenzen. Durch Vermittlung des Theologen Johann Jakob Griesbach einigte man sich dennoch gütlich. Schiller selbst schreibt über die Angelegenheit an Körner: „Dies ist Heinrich, der darüber Lärm geblasen hat. Sie ließen mir’s durch Grießbach wissen, daß ich in der Sache abhelfen möchte, welches leicht angeht, da sie neu aufgelegt wird, und also der Prof. der Geschichte in einen Prof. der Philosophie verwandelt werden kann. Ist dies aber nicht erbärmlich ...“. In der zweiten Auflage seiner Antrittsvorlesung nannte er sich bescheiden „Professor der Philosophie in Jena“.
Die Themen seiner Vorlesungen stammten aus der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit: Einführung in die Universalgeschichte bis zu Alexander dem Großen (1789), Universalgeschichte von Karl dem Großen bis zu Friedrich dem Großen (1789/90), Römische Geschichte von der Gründung der Stadt Rom bis zum Untergang des weströmische Reiches (1789/90), Erster Teil der Universalgeschichte bis zur Gründung der fränkischen Monarchie (1790), Geschichte der Kreuzzüge (1790/91) und Europäische Staatengeschichte (1790/91). Darüber hinaus wirkte Schiller als Herausgeber einer „Sammlung Historischer Memoires“, legte mit der „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ ein reifes Werk vor, befasste sich mit der Geschichte des Malteserordens und dem biblischen Religionsstifter Moses. Schiller sah ihn als Israeliten an, der aber von seiner kulturellen Prägung ein Ägypter war, als Priester eingeweiht in die Geheimnisse der ägyptischen Mysterien. Auch die Idee des Monotheismus, des Glaubens an den einen Gott, habe er von dort mitgenommen, wobei er freilich zum Verräter der Mysterien wurde: Er habe den Demiurgos, deren philosophischen Gott, zum Nationalgott der Hebräer gemacht.
In der Themenauswahl Schillers fallen die engen Beziehungen zu seinem dichterischen Werk auf. Er strebte nach künstlerischer Einheit, sah die Verbindung von Wissenschaft und Kunst als seine schriftstellerische Aufgabe. Im Dezember 1788 hatte er an Körner geschrieben, eine Lehrtätigkeit erleichtere ihm „nachher das schriftstellerische Arbeiten im historischen Fach“. Schon im Mai 1790, nur wenige Wochen nach der Trauung mit Charlotte von Lengefeld, erkrankte Schiller jedoch bei einem Hoffest schwer, im Januar 1791 nochmals. Öffentliche Vorlesungen waren ihm danach nicht mehr möglich, er hielt ein philosophisches Privatkolleg und veröffentlichte historische Texte. Dennoch machte ihn die Universität 1798 zum Ordentlichen Honorarprofessor. Sein Name tauchte letztmalig im Wintersemester 1799/1800 im Lektionskatalog der Universität auf.
Im engeren Sinne ist Friedrich Schiller nur von 1787-93 Historiker gewesen. Dieser kurzen Zeit geschuldet, ist sein historisches Werk fragmentarisch geblieben. Die Fortsetzungen des „Abfalls der Niederlande“ erschienen nicht, von den „Historischen Memoires“ zog er sich zurück, der „Dreißigjährige Krieg“ wurde vorzeitig abgeschlossen. Schiller selbst sah sich als Historiker in der Rolle eines „Philosophen der Menschheit“. Seine Wirkung ist verschieden interpretiert worden. Einige zeitgenössische Historiker kritisierten die ihrer Ansicht nach mangelnde Quellenkenntnis, für Wieland war er jedoch der erste Geschichtsschreiber überhaupt. Thomas Mann schätzte seinen Stil, die „Zauberkraft des Wortes“, als Muster für moderne Darstellungsformen ein. Es ist diese an den großen Dramen orientierte Darstellungskraft Schillers, die auch heute noch fesselt.

Sonntag, Mai 08, 2005

Ein Professor in der Provinz

Zu meinen Freunden zählt Frithjof Bergmann, Philosoph und Anthropologe an der University of Michigan in Ann Arbor. Er ist ein Wissenschaftler, der sich seit 30 Jahren mit der Krise der Lohnarbeitsgesellschaft beschäftigt, er ist ein Visionär, der weitsichtige Vorschläge zu ihrer Überwindung macht und er ist Berater der Regierung von Südafrika, um diese Ideen dort umzusetzen. In seinem im vergangenen Jahr erschienenen, lesenswerten Buch „Neue Arbeit – Neue Kultur“ schreibt er etwa: „Die gegenwärtige Situation der Arbeit lässt sich nicht mit einigen kosmetischen Korrekturen in Ordnung bringen“. Er spricht sich stattdessen für ein neues System der Arbeit aus, dafür, Menschen in die Lage zu versetzen, „eine Arbeit zu leisten, deren Zweck darin besteht, die Menschen, die diese Arbeit ausführen, zu stärken“. Schon mehrfach habe ich Veranstaltungen mit ihm in Deutschland organisiert. Sein Motto, mit dem er das Publikum meist einstimmt, lautet: „Ich versuche nützlich zu sein, obwohl ich Philosophie unterrichte!“.
Doch Frithjof ist eben nicht nur ein waschechter Intellektueller, sondern die Steigerungsform: Ein Professor. Und Ende April wurde sein Motto auf eine harte Probe gestellt. Wieder standen Termine an, die ich vorbereitet hatte: Ein Workshop und eine Podiumsdiskussion am Mittwoch in Suhl und ein Vortrag am Donnerstag in Erfurt. Wochen vorher schickte ich ihm den Ablaufplan. Ich würde ihn am Dienstagabend in Suhl begrüßen, bei einem Essen die letzten Details besprechen und dann selbst dort übernachten, da ich den Einstiegsvortrag des Workshops zu bestreiten hatte.
Am Montag erreichte mich während einer anderen Konferenz eine merkwürdige Nachricht auf der Mailbox: Frithjof ist inzwischen in Wien, hat sein Handy aber in Graz vergessen und ist deshalb erst einmal per Telefon nicht zu erreichen. Das störte mich nicht besonders. Immerhin befand er sich zumindest schon in Europa und nicht mehr in den USA. Er hatte genug Zeit, bequem anzureisen und außerdem war ja alles vorbereitet: die Seminarräume gemietet, die Vortragstechnik bestellt, die Hotelzimmer gebucht und allerhand interessante Gäste hatten ihre Teilnahme zugesagt.
Am Dienstagvormittag rief das Hotel „Karolinenhof“ aus Wien bei mir an. Herr Professor Bergmann habe noch bis 17.00 Uhr einen Workshop vor Ort zu bestreiten und werde erst danach mit der Bahn nach Thüringen abfahren können. Suhl sei doch wohl in vier bis fünf Stunden zu erreichen?
Mitnichten, guter Mann, erklärte ich ihm, Sie müssen wenigstens mit der doppelten Fahrtzeit rechnen! Hektisches Suchen nach einer Bahnverbindung begann. Dann rückten die Wiener endlich mit der Mitteilung heraus: Frithjof wird erst am frühen Mittwochmorgen ankommen, nicht in Suhl, dafür aber in Erfurt. Sein Zug fährt dort 5.30 Uhr ein.
Ich überlegte kurz. Sollte ich einen der Workshopteilnehmer aus Erfurt bitten, ihn nach Suhl mitzunehmen? Ein 64jähriger Philosophieprofessor, der die Nacht im Zug verbracht hat und dann in einem nur halbfertigen Bahnhofsgebäude einige Stunden warten muss, bis er zu seinem Workshop gebracht wird? Nein, ich würde ihn selbst abholen. Und zwar 5.30 Uhr! Für mich bedeutete das, die Hotelzimmer schleunigst abzubestellen. Und da die Nacht für mich gegen vier Uhr enden würde, ging ich etwas früher zu Bett und schlief unruhig ein.
Irgendwann weckte mich ein fernes Klingeln. Ein Blick auf den Wecker: zwei Uhr. „Sch...!“, murmelte ich. Während ich mich ins Wohnzimmer tastete (nur nicht noch mehr Lärm, sonst wachen alle auf!), kam mir meine Frau mit dem Telefonhörer in der Hand entgegen. Auch die Kinder waren natürlich aufgewacht.
Frithjof war am Apparat und teilte mir mit, dass er nicht 5.30 ankommen würde, sondern schon fünf Uhr. Und außerdem nicht in Erfurt, sondern in Jena. „Und jetzt schlaf weiter“, meinte er gut gelaunt zum Abschluss. Mehr als ein müdes „Ja“ brachte ich in meinem Zustand nicht heraus.
Kurz darauf, im Bett, merkte ich zweierlei. Zunächst, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Dann fiel mir ein, dass es in Jena mehrere Bahnhöfe gibt. Was für ein Glück! Also noch halb benommen den Computer anwerfen und im Internet suchen, welcher Bahnhof der richtige sein könnte. Ich entschied mich schließlich für „Jena Paradies“, was sich als gut erwies. Wir beluden mein kleines Auto, machten für einen Kaffee Pause bei mir zuhause, brachten meine Tochter in den Kindergarten und fuhren nach Suhl.
Der Workshop selbst wurde ein Erfolg (ebenso die anderen Veranstaltungen). Frithjof ließ sich – im Gegensatz zu mir – die Müdigkeit nicht anmerken und war mit dem Thema sowieso ganz in seinem Element. Und für künftige Treffen hat er mir versprochen, sich den Terminkalender nicht mehr so voll zu packen.

Dienstag, Mai 03, 2005

Rückblick: Brötchen auf der Hose - meine erste Lesung

Runter von der Autobahn. Nach zweihundert Kilometern Fahrt brauchte ich eine Pause. Noch lagen weitere hundert zwischen mir und meinem Ziel, der kleinen Stadt Dreieich-Buchschlag bei Frankfurt. Dort fand an diesem sonnigen Samstag, dem 9. Oktober 2004, die traditionelle Buchmesse-Convention statt, kurz BuCon genannt. Schon zum neunzehnten Mal präsentierte sich dort, wie immer während der großen Buchmesse, die einheimische phantastische Literatur.
Es war nicht nur meine erste Teilnahme an der BuCon, ich sollte auch gleich meine satirische Kurzgeschichte „Ein Alien kommt selten allein“ aus einer gerade erschienenen Science Fiction-Anthologie lesen. Eine echte Premiere also. Logisch, dass mir allerlei durch den Kopf ging, während ich auf dem Rastplatz eines der Brötchen auspackte, die meine Frau mir fürsorglich mitgegeben hatte. Logisch auch, dass es kam, wie es kommen musste: Einmal nicht aufgepasst und das Brötchen landete mitten auf meiner Hose. Obwohl ich kurz erwog, gleich eine neue zu kaufen – ich lasse mir vieles vorwerfen, aber nicht, in verschmutzter Kleidung zur eigenen Lesung zu erscheinen – fuhr ich weiter (die Flecken waren nach einer halben Stunde getrocknet).
Nicht weit von der Autobahnabfahrt Frankfurt-Zeppelinheim entfernt lag Dreieich. Ich war also da. Nein, noch nicht ganz: Hinter dem Ortseingang bremste ein geschlossener Bahnübergang die Fahrt so konsequent, dass man während der Wartezeit, innerhalb der mindestens vier Züge die Straße kreuzten, gut eine neue Kurzgeschichte hätte schreiben können.
Dann sah ich das erste Hinweisschild, das auf den Ort der BuCon, den Bürgersaal hinwies. Direkt darunter hing ein zweites Schild, das in die gleiche Richtung zeigt und auf den Weg zum Friedhof aufmerksam machte. Das kann ja heiter werden, dachte ich mir.
Am Bürgerhaus sei eine große Zahl von Parkplätzen vorhanden, hatten die Organisatoren auf ihrer Homepage geschrieben. Etwas hochgestapelt, wie ich schnell feststellte: Als ich kurz nach 12.00 Uhr ankam, waren alle Plätze besetzt. Nach einer Ehrenrunde rund um das Gelände parkte ich an der Straße. Geschafft – es konnte losgehen!
Am Einlass erklärte ich, dass ich am Nachmittag lesen würde. Mein Name fand sich tatsächlich auf einer bereitliegenden Liste und ich konnte hinein, ohne den Eintritt von acht Euro zu bezahlen. Für diesen Preis gab es für die Besucher neben dem Zugang auch einen Stoffbeutel, in dem neben Prospekten und Verlagskugelschreibern auch Heftromane und ein Taschenbuch lagen.
Ich tauchte in die Atmosphäre ein. Gleich in der Eingangshalle hatte ein Fantasy-Maler seinen Stand aufgebaut, daneben waren Figuren und Gerät aus Phantastikserien zu begutachten. In mehreren Räumen hatten Kleinverlage, Fachantiquariate, Clubs und Fanzines ihre Tische aufgebaut. Überall wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Gespräche geführt. Man verstand sich, man war hier unter sich.
Ich suchte den Stand der Storyolympiade/Wurdack-Verlag, wo ich in den letzten Monaten einige Geschichten veröffentlicht hatte. Dort konnte ich mich mit anderen Autoren persönlich bekannt machen, die ich bisher nur durch Internetforen, E-Mails und Telefonate kannte. Ich traf auf Heidrun Jänchen aus Jena, die fast den gleichen Anreiseweg wie ich hatte. Ich erinnerte mich, dass ich auf der Autobahn irgendwo in Hessen von einem rasenden roten Kleinwagen mit Jenaer Nummernschild überholt worden war. Natürlich von ihrem – was die alte Theorie, wonach die Welt klein ist, nachdrücklich bestätigte. Heidrun hatte man als Koautorin eines Romans für den Deutschen Phantastikpreis, der auf der BuCon überreicht wird, in der Kategorie „Bestes Debüt National“ nominiert. Bei Armin Rößler und Dieter Schmitt, den Herausgebern der pünktlich fertig gewordenen SF-Anthologie „Walfred Goreng“, aus der ich lesen wollte, merkte ich, dass wir auf der gleichen Wellenlänge lagen.
Während mehrerer Runden konnte ich mich mit neuer Literatur eindecken. Auch die Antiquariate waren gut sortiert. Als Sammler der kultigen Horrorheftromanserie „Dämonenkiller“, in den siebziger (Erstauflage) und achtziger Jahren (Zweiauflage) erschienen, fand ich etliche Schnäppchen. Dann machte mich noch jemand darauf aufmerksam, dass einer der Autoren, Earl Warren (Walter Appel), im Saal sei. Der signierte mir den letzten erschienenen Roman der Serie.
Ein Blick auf die Uhr zeigte, das 16.00 Uhr, der Termin der Lesung der Storyolympiade, bedrohlich näher rückte. Auf der BuCon waren zwei separate Räume für die Lesungen vorgesehen. In einem stellte der Bastei-Verlag seine Reihen („Bad Earth“, „Maddrax“, „Professor Zamorra“) mit Autoren und Redakteuren vor. Im zweiten Raum präsentierten die Kleinverlage ihre aktuellen Veröffentlichungen.
Am Einlass stand plötzlich jemand, den ich kannte. Nein, das stimmte eigentlich nicht: Thorsten Küper und ich waren bisher nur virtuell bekannt. Mein Vorteil: Ich wusste, wie er aussieht, da ich seine Homepage und seinen Weblog häufig besuche. Thorsten, der auch lesen wollte und als mehrfach für diverse Preis nominierter Autor ein „alter Hase“ in dem Geschäft war, half mir durch seine freundliche Art, das Kribbeln im Bauch wenigstens zeitweise zu vergessen. Doch tief in mir ahnte ich: Es war gleich soweit!
Unerbittlich zeigt die Uhr auf Punkt Vier. Armin Rößler erklärte den vielleicht 25 Zuhörern das Programm der Storyolympiade und stellte die Autoren vor. Heidrun Jänchen, Thorsten Küper und Ines Bauer machten ihre Sache gut und lasen starke Storys, die beim Publikum ankamen. Das machte mich leider nicht ruhiger! Jetzt durfte ich nicht patzen. Ich ging nach vorn, sank in den bequemen schwarzen Ledersessel, begann mit den ersten Zeilen – und meine Nervosität war verflogen. Als bei den Pointen wirklich gelacht wurde und die Zuhörer am Ende klatschten, wusste ich: Es hatte geklappt.
Bei der Verleihung des Phantastik-Preises, der ein Publikumspreis ist, räumten die großen Verlage ab. Die Storyolympiade erreichte mit „Demonwright – Der eiserne Thron“ immerhin einen dritten Platz.
Gut, soviel geballte Phantastik reichte mir. Also die dreihundert Kilometer zurück – diesmal ohne Pause. Und obwohl ich mitten in der Nacht ankam, blätterte ich natürlich ausgiebig in den erworbenen „Schätzen“.